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Die Polizeigarage der Kantonspolizei Aargau

Die «Schrauber» der Kantonspolizei Aargau

Rund 280 Fahrzeuge stehen im Fuhrpark der Kantonspolizei Aargau. In der Polizeigarage kümmern sich neun Mitarbeitende um Wartung, Unterhalt, Reparatur – und weitaus mehr.

Am Stützpunkt der Mobilen Polizei der Kantonspolizei Aargau in Schafisheim herrscht rund um die Uhr reges Treiben. Patrouillen- und andere Einsatzfahrzeuge kommen und gehen – zu jeder Tages- und Nachtzeit, an allen Tagen des Jahres. Die Anforderungen an die Einsatzkräfte, die sie steuern, sind hoch: In mindestens 80 Prozent der Fälle sollen sie innerhalb von nur 15 Minuten jeden Einsatzort im Kantonsgebiet erreichen. Und der Kanton Aargau ist weitläufig sowie – mit den Autobahnen A1, A2 und A3 und 6’575 Kilometer interkantonalem Strassennetz – ein Knoten­punkt im Schweizer Verkehrsnetz.

Jürg Zehnder ist Gruppenchef Garage & Fahrzeuge – und seit 30 Jahren bei der Kantonspolizei Aargau tätig.Jürg Zehnder ist Gruppenchef Garage & Fahrzeuge – und seit 30 Jahren bei der Kantonspolizei Aargau tätig.@ Jörg Rothweiler

4 Millionen Fahrkilometer pro Jahr

Damit die Vorgaben erfüllt werden können, ist eine jederzeitige Verfügbarkeit von genügend Fahrzeugen für die Einsatzfähigkeit eminent. Rund 280 Fahrzeuge zählt der Fuhrpark der Kantonspolizei Aargau. Die jährliche Streckenleistung beträgt etwa 4 Millionen Kilometer. Gut die Hälfte davon spulen die Einsatzkräfte der Mobilen Polizei ab.

So gross die Fahrstrecken sind, so überschaubar ist die Bandbreite der Fahrzeuge. Neben Pkw diverser Marken stehen Transporter der Typen VW T6 und neuerdings Mercedes-Benz Vito sowie einige Lieferwagen, Lkw sowie Anhänger zur Verfügung. Motorräder gibt es seit rund fünf Jahren keine mehr. Ausnahme: eine historische BMW mit Boxermotor im Foyer des Stützpunkts Schafisheim – als Reminiszenz an die Zeiten, als Aargauer Polizisten auch auf zwei Rädern mobil waren.

Jürg Zehnder, Gruppenchef Garage & Fahrzeuge bei der Kantonspolizei Aargau, und sein Stellvertreter, Werkstattleiter Adrian Schmid, erinnern sich noch an diese Zeiten. Beide sind schon lange mit von der Partie – der Erste seit 30, der Zweite seit 26 Jahren. Sie zeigen uns, was die Polizeigarage leistet und wie sich die Arbeit mit dem Einzug neuer Technologien verändert.

Service, Unterhalt und Ausbau von Einsatzfahrzeugen – alles inhouse

Die Räumlichkeiten der Polizeigarage sind in fünf Bereiche unterteilt. Der erste ist eine Waschhalle mit Hebebühne, direkt daneben gibt es einen weiteren Arbeitsbereich, ebenfalls mit Hebebühne. Die Hauptarbeiten – Unterhalt, Service sowie Reparaturen – werden in einer weiteren, sehr geräumigen Halle erledigt. In dieser sind bei unserem Besuch drei der fünf Arbeitsbühnen belegt. Hier arbeitet der Löwenanteil des neunköpfigen Teams, darunter zwei Auszubildende.
Nebenan, in einem separierten Bereich, ist die Schreinerei domiziliert. In dieser fertigt ein Mitarbeiter Heckausbauten und andere Sonderbauteile für die Einsatzfahrzeuge an – und bei genügend Kapazität auch mal ein Rednerpult. Ein Tor weiter befindet sich der Raum für den Auf- und Ausbau neuer Einsatzfahrzeuge. «Einzig Autos von BMW beziehen wir schlüsselfertig über die Haberl Group. Fahrzeuge ­anderer Marken bauen wir selbst aus – mit Zuliefererteilen und Sondereinbauten, die wir selbst oder gemeinsam mit spezialisierten Anbietern entwickeln», erklärt Jürg Zehnder. So wurde der Innenausbau der neuen Mercedes-Benz Vito mit der Carrosserie Rusterholz AG entwickelt. «Diese produziert Komponenten wie die Zelle und weitere Spezialteile und liefert uns einen <Bausatz>. Unsere Spezialisten bauen damit dann die Fahrzeuge aus», erklärt Adrian Schmid – und zeigt auf einen Mercedes-Benz Vito. Ein Blick in dessen Inneres verrät: Das Zweierteam «Ausbau» muss handwerkliche Begabung und vertieftes Verständnis für Technik und Elektronik mitbringen. Das «Chaos» von Kabeln, Steuer­geräten und Steckverbindungen mutet abenteuerlich an. Doch Adrian Schmid beruhigt uns: «Unser Duo für Fahrzeugausbauten hat das – und noch wesentlich mehr – absolut im Griff.»

Sieht chaotisch aus, ist es aber nicht: Blick in einen mitten im Aufbau befindlichen Mercedes-Benz Vito.Sieht chaotisch aus, ist es aber nicht: Blick in einen mitten im Aufbau befindlichen Mercedes-Benz Vito.@ Jörg Rothweiler

Neben Service und Wartung erledigt die Polizeigarage auch Garantiearbeiten und Reparaturen. Im Bild die zerlegte Einspritzanlage des Dieselmotors eines VW T6.Neben Service und Wartung erledigt die Polizeigarage auch Garantiearbeiten und Reparaturen. Im Bild die zerlegte Einspritzanlage des Dieselmotors eines VW T6.@ Jörg Rothweiler

Ganz neu im Fuhrpark: der Mercedes-Benz Vito

«So sieht das aus, wenn es fertig ist», sagt er – und öffnet die Seiten- und Hecktür eines weiteren Vito, der vor der Halle parkiert ist. Ich staune nicht schlecht: Der Innenausbau ist blitzsauber gefertigt. Zentral im Fahrzeug, hinter dem Fahrersitz, befindet sich ein Arbeitsbereich. Der Beifahrersitz kann gedreht werden – womit bis zu drei Personen Befragungen, Besprechungen und andere Tätigkeiten ausüben können. Fast wie in einem Büro. Hinten links im Heckbereich befindet sich eine aus Riffelstahlblech gefertigte Zelle, rechts der Stauraum für die Ausrüstung. Weiteren Platz, nicht zuletzt für die mitgeführten Langwaffen, bietet ein parallel zur Seitentür laufender Auszug. «So ist alles gut gesichert – und doch schnell zugriffsbereit», betont Adrian Schmid. «Zudem haben wir auch die Folierung selbst realisiert. Wir definieren sie mit dem Lieferanten – und können bei Bedarf jedes Einzelteil anfordern und ersetzen. Das spart Zeit und Kosten.»

Alles an diesem Fahrzeug, das auf der Suisse Public 2026 ausgestellt war, ist durchdacht. Die Einsatzkräfte, die demnächst damit ihren Dienst versehen, werden ihrem bis­herigen Wagen nicht lange nachtrauern.

Dieser fertig ausgebaute und komplett folierte Einsatzwagen auf Basis des Mercedes-Benz Vito wird schon bald im Aargau im Einsatz stehen.Dieser fertig ausgebaute und komplett folierte Einsatzwagen auf Basis des Mercedes-Benz Vito wird schon bald im Aargau im Einsatz stehen.@ zVg

Zeit ist ein knappes Gut in der Polizeigarage

Mit der Zeit, die durch die in Eigenregie ausgeübten Tätigkeiten eingespart werden kann, spricht Adrian Schmid einen zentralen Faktor an: «Unsere Fahrzeuge sind ständig unterwegs. Manche, etwa die Videoüberwachungsfahrzeuge, legen jährlich rund 100’000 Kilometer zurück. Das bedeutet hohen Service- und Wartungsaufwand – und immer genug Arbeit für uns.»

Während turnusgemässe Servicearbeiten planbar sind, ­fallen Reparaturen unerwartet an – nicht selten im ungünstigsten Moment. Flexibilität ist daher ein Muss. «Oft melden Patrouillen abends bei ihrer Rückkehr ein Problem. Wir versuchen stets, dieses gleich am nächsten Morgen zu ­beheben», sagt Adrian Schmid. Wobei gewisse «Kleinig­keiten» bisweilen viel Zeit kosten können, wie ein Beispiel zeigt: «Kürzlich hatten wir einen Marderschaden an einem BMW iX3. Die im Kardantunnel – den sich der bisherige iX3 ja mit den Verbrenner-Modellen teilt – verlaufenden ­Leitungen waren undicht. Um sie zu ersetzen, mussten wir den Hochvoltakku ausbauen. Das war ein ziemlicher ­Aufwand.»

Für solche und weitere Arbeiten an E-Fahrzeugen haben alle Mitarbeitenden eine HV1- und HV2-Ausbildung absolviert und besuchen regelmässig Lehrgänge der Importeure. «Zudem haben wir offizielle Diagnosegeräte und Spezialwerkzeuge von BMW, Mercedes-Benz und der VW-Gruppe sowie Universal-Diagnosetools für Autos anderer Marken», sagt Adrian Schmid. «Denn neben Service und Wartung ­erledigen wir auch Fehlersuchen, Reparaturen und Software-Updates.»

Einzig Spenglerarbeiten werden auswärts vergeben. Was, wie Adrian Schmid ausführt, gottlob selten nötig ist: «Ehe wir Fahrzeuge in die Hände Dritter geben, müssen wir sie ausräumen und gewisse Sicherheitsmassnahmen ergreifen. Das ist stets ein ziemlicher Aufwand. Und natürlich dauern auch die Drittarbeiten selbst ihre Zeit.» Zudem kosten ­externe Arbeiten mehr Geld, weshalb die eigene Garage doppelt Sinn macht – auch wenn die Arbeit an modernen Fahrzeugen zunehmend komplexer wird.

Blick in die Schreinerei, in der ein Mitarbeiter Heckausbauten und andere Spezialeinbauten für die Einsatzfahrzeuge anfertigt.Blick in die Schreinerei, in der ein Mitarbeiter Heckausbauten und andere Spezialeinbauten für die Einsatzfahrzeuge anfertigt.@ Jörg Rothweiler

Autos werden komplexer – aber nicht unzuverlässiger

«Die Technik verändert sich rasant. Doch die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge hat sich kaum verändert. Unsere Autos halten in der Regel 300’000 bis 400’000 Kilometer durch. Allerdings steigen die Ersatzteilpreise kontinuierlich», sagt Jürg Zehnder. Wobei Adrian Schmid bisweilen schon im Voraus weiss, wann er die nächsten bestellen muss: «Der Flottenbetrieb entlarvt modelltypische Schwächen, womit Reparaturen anhand der Laufleistung vorhersehbar werden. Dann besorgen wir die Teile frühzeitig – um Zeit zu sparen.» Nicht häufig, aber bisweilen komplex zu lösen sind Pro­-bleme bei Elektronik und Software. «Ausfälle elektronischer Komponenten, Software-Fehler und wachsender Aufwand bei der Integration von Zusatzausrüstung stellen uns wie alle anderen Blaulichtkräfte vor Probleme», sagt Adrian Schmid. «Das betrifft Verbrenner, E-Autos und Hybride gleichermassen.»

«Nur» 50 Fahrzeuge mit Alternativantrieb – aus guten Gründen

Von Letzteren, inklusive eines Brennstoffzellen-Autos, hat die Kantonspolizei Aargau bislang «nur» etwa 50 im Fuhrpark, was einem Anteil von unter 20 Prozent entspricht. Was gute Gründe hat, wie Jürg Zehnder, der die Beschaffung verantwortet, erklärt: «Einerseits will der Kanton Aargau, wie andere auch, bis 2040 klimaneutral werden. Andererseits macht er uns strenge Vorgaben zu Einsatzfähigkeit, -geschwindigkeit und Verfügbarkeit. Alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht trivial. Beispielsweise können wir im Blackout-Fall mit Verbrennern mobil bleiben – dank zwei mit Notstrom betreibbaren Tankstellen, hier und in Aarau. E-Autos während eines Blackout zu laden, ist indes kaum möglich.»

Zudem bildet die Grösse des Einsatzraums eine Hemmschwelle, ergänzt Adrian Schmid: «Wir brauchen 400 bis 500 Kilometer Reichweite – und zwar nicht nach
WLTP-Standard, sondern effektiv, unter realen Einsatz­bedingungen – auch im Winter und auch dann, wenn die Fahrzeuge mit hohen Tempi längere Strecken fahren müssen.» Bezahlbare E-Autos, die eine solche Reichweite, genug Platz und Zuladung sowie Allradantrieb bieten, gab es bis dato nur wenige. Entsprechend hoffen beide auf den neuen BMW iX3. «Unseren erhalten wir noch dieses Jahr – und wir sind zuversichtlich, dass dieser die benötigte Reichweite tatsächlich bietet.»

Damit immer alles passt: Achsvermessungsgerät HawkEye Elite® und Justagevorrichtung VAS 6430 für die Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen.Damit immer alles passt: Achsvermessungsgerät HawkEye Elite® und Justagevorrichtung VAS 6430 für die Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen.@ Jörg Rothweiler

Immer genug zu tun – und bis dato keine Nachwuchssorgen

Unabhängig vom künftigen E-Auto-Anteil der Flotte: Dem Team der Polizeigarage wird die Arbeit nicht ausgehen – wozu sie selbst Nachwuchs ausbildet. «Wir bieten die  Berufsausbildungen <Autofachmann/-frau EFZ> und <Automechatroniker/in> an, haben derzeit eine Frau und einen Mann in Ausbildung», erklärt Adrian Schmid. Nach den Kriterien für Bewerber gefragt, sagt Jürg Zehnder: «Ein tadelloser Leumund, Flexibilität, handwerkliches Geschick und grosses Interesse für Fahrzeugelektronik sind eminent. Letzteres benötigen wir künftig verstärkt, nicht nur mit Blick auf den Inhouse-Ausbau unserer Fahrzeuge.» Im Gegenzug erhalten Auszubildende einen guten Lohn, die Führerausweisausbildung für Pkw und/oder Lkw sowie die HV1-Aus­-bildung. «Und natürlich behaupten wir: Eine Ausbildung bei uns ist spannender und vielfältiger als in einer zivilen Garage», sagt Jürg Zehnder. «Zudem hält sie Wege nach oben offen. Unser Chef Mediendienst startete seine ­Karriere beispielsweise einst bei uns – als Auszubildender.»

Welches Auto Letzterer fährt, wissen wir nicht. Jürg Zehnder fährt einen Saab 9-3 Kombi, Adrian Schmid einen Škoda Karoq. Ihre Traumautos sind «ein tolles E-Auto» respektive «eine Corvette C1 Cabrio». Das klingt nicht abgehoben – und zeigt: Das Team der Polizeigarage der Kantonspolizei Aargau hat jede Menge Ahnung von Autos, agiert vielseitig – und verliert nicht einmal bei Autoträumen die Bodenhaftung.

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