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Grossraumrettungswagen der Sanität Aargau

Der neue GRW der Sanität Aargau

Seit August 2025 verfügt der Kantonsärztliche Dienst des Kantons Aargau über einen Grossraumrettungswagen (GRW). Dieser schliesst eine bisher bestehende Lücke bei Ereignissen mit fünf oder mehr verletzten oder erkrankten Personen.

In den Kantonen Zürich, Basel und Schwyz sind GRW bereits im Einsatz. Nun, seit August 2025, verfügt auch der Kanton Aargau über einen Grossraumrettungswagen (GRW). Die Neuanschaffung wurde im Rahmenprogramm des Atemschutzwettkampfs 2025 in Seengen (siehe Artikel «Rücklicht» in BLAULICHT 05-2025) der Öffentlichkeit präsentiert.

Vom Postbus zum Rettungsfahrzeug

Die Basis für den GRW bildet ein Occasions-Linienbus der Post, der von der Tony Brändle AG aus Wängi nach den Vorgaben der Abteilung Gesundheit des Kantons Aargau um- und ausgebaut wurde. Mit der Wahl eines gebrauchten Fahrzeugs wurden die Kosten im Vergleich zu einer Neuanschaffung erheblich reduziert. Busse dieser Kategorie sind auf hohe Laufleistungen ausgelegt, was für den geplanten Verwendungszweck mit geringer Kilometerleistung ideal ist.

Seine Vergangenheit als Linienfahrzeug sieht man dem GRW nicht an. Die weisse Lackierung und eine reflektierende Folierung in Blautönen, realisiert durch Safety Signage aus Wil SG, geben dem Fahrzeug ein modernes und unverwechselbares Erscheinungsbild. Das Design orientiert sich an der bestehenden Fahrzeugflotte der Abteilung Gesundheit und sorgt für eine klare visuelle Wiedererkennung.

n der Nacht so unübersehbar wie am Tag: der von der Tony Brändle AG aufgebaute und von Safety Signage folierte GRW der Sanität Aargau.n der Nacht so unübersehbar wie am Tag: der von der Tony Brändle AG aufgebaute und von Safety Signage folierte GRW der Sanität Aargau.© Safety Signage

Platz für bis zu zwölf Personen

Der Zugang zum GRW erfolgt über eine Seitentüre mit Rampe, die auch für mobilitätseingeschränkte Personen geeignet ist. Im Inneren befinden sich zwölf Sitz- und zwei Liegeplätze.

Die beiden Liegend-Behandlungsplätze verfügen über je einen «Corpuls3»-Defibrillator/Patientenmonitor, eine Absaugeinheit sowie Sauerstoffversorgung. Direkt unter den beiden Liegeplätzen ist Material für die Versorgung und Behandlung Betroffener verstaut. Zudem dient der GRW auch als kleines Materiallager. Eine zusätzliche Arbeitsstation mit Reservebeständen erlaubt das schnelle Nachrüsten und Bereitstellen von weniger häufig benötigter Spezialausrüstung. So können bei Bedarf auch mehr Personen behandelt werden, als Plätze im Bus vorhanden sind. Neben umfangreichem Material für die Erstversorgung sind überdies Spineboards, Tragen und ein Notstromaggregat vorhanden.

So ist der GRW perfekt gerüstet für Einsätze mit mehreren verletzten oder erkrankten Personen, wobei er als erste zentrale Versorgungs- und Betreuungsstelle dient.

Der auf einem Linienbus basierende GRW bietet zwölf Sitz- und zwei Liegeplätze sowie eine umfassende medizinischtechnische Ausrüstung.Der auf einem Linienbus basierende GRW bietet zwölf Sitz- und zwei Liegeplätze sowie eine umfassende medizinischtechnische Ausrüstung.© Jörg Rothweiler

Typische Einsatzszenarien

Prädestiniert ist der GRW für Schadenslagen wie einen Brand in einem Mehrfamilienhaus oder grössere Unfälle, etwa die Explosion in der Tiefgarage in Nussbaumen im Juni 2024. Im GRW können Patienten durch Fachpersonen der Rettungsdienste, unterstützt durch Angehörige der Sanität KKE (AdSan KKE), bis zur Übergabe oder zum Weitertransport versorgt werden.

«Bei allen Ereignissen, bei denen mehr als fünf Personen betreut werden müssen, kommt künftig der GRW zum Einsatz», so Erika Csatlos, Fachspezialistin für Rettungs- und Katastrophenwesen beim Departement Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau. «Er ermöglicht die gleichzeitige zentrale Aufnahme und Behandlung von mehreren Personen, was die Übersicht und Effizienz verbessert und weniger personalintensiv ist.»

Stationierung und Aufgebot

Stationiert ist das Fahrzeug im Zentrum von Aarau. Alarmiert wird es über die kantonale Sanitätsnotrufzentrale 144 bei jedem Ereignis mit mehr als fünf Verletzten. Der GRW rückt nie allein aus, sondern stets im Verbund mit dem Rettungsdienst, dem Kantonalen Einsatzleiter Sanität (KEL-San) sowie weiteren Einsatzkräften. Unterstützung erhält der Rettungsdienst dabei durch das Kantonale Katastrophen-Einsatzelement (KKE), das unter anderem den Fahrerpool stellt. Die Fahrer, derzeit rund zehn Personen, verfügen über die erforderliche Fahrberechtigung und haben zudem eine spezielle Schulung absolviert.

Nach einem Aufgebot durch die Sanitätsnotrufzentrale 144 übernimmt ein Fahrer des KKE den Transport des GRW an die Einsatzstelle und stellt dort den technischen Betrieb sicher. Die Angehörigen der Sanität KKE (AdSan KKE) leisten medizinische Assistenz und unterstützen die Fachpersonen der Rettungsdienste bei der Versorgung der Patienten innerhalb des GRW. «Dabei ist der GRW ausschliesslich für die stationäre Versorgung konzipiert. Patiententransporte erfolgen weiterhin mit dem Rettungsdienst», erklärt Erika Csatlos.

Ergänzung durch das Materialund Einsatzleit-Fahrzeug (MELF)

Ab einer Patientenanzahl von elf oder mehr Verletzten (MANV11+) rückt zusätzlich das Material- und Einsatzleitfahrzeug (MELF) aus. Dieses basiert auf einem Mercedes Sprinter und dient einerseits dem SNZ-Koordinator an der Einsatzstelle als mobile Einsatzleitstelle und zugleich auch als Transportfahrzeug für zusätzliches medizinisches Material. Dieses lagert in einem grossen Rollcontainer im Heck des Fahrzeugs. Er wird über eine Rampe entladen und steht so am Ereignisort entsprechend rasch zur Verfügung.

Zwei solche Rollcontainer befinden sich auch im GRW. Während der Fahrt stehen diese im Innenraum, am Einsatzort werden sie über die Rampe der Seitentüre nach draussen verfrachtet. So kann zusätzliches Material für den Fall mitgeführt werden, dass mehr Personen versorgt werden müssen als ursprünglich angenommen.

Der Zugang zum Fahrzeuginneren erfolgt über eine flache Rampe. Über diese werden auch die Material-Rollcontainer aus- und eingeladen.

Fazit

Mit dem GRW steht dem Kanton Aargau seit August 2025 ein gutes Instrument zur Verfügung, um Einsätze mit mehreren Verletzten zu bewältigen. Dank pragmatischem Konzept, Nutzung eines Occasionsfahrzeugs und gezieltem Ausbau konnte das Projekt kosteneffizient umgesetzt werden.



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