Der Schnell-Einsatz-Zug (SEZ) des KKE Aargau
Die «Musketier»-Truppe des KKE
Die Mitglieder des Schnell-Einsatz-Zug (SEZ) des KKE Aargau sind polyvalent ausgebildet, jederzeit parat – und eine eingeschworene Gemeinschaft, in der das Motto «Einer für alle, alle für einen» etwas gilt.
Mitglieder des Schnell-Einsatz-Zuges (SEZ) tragen dessen Logo mit Stolz.© Jörg RothweilerDer Schnell-Einsatz-Zug (SEZ) des KKE Aargau ist das erste Einsatzelement im Aufwuchssystem des KKE. Er rekrutiert sich aus Angehörigen der Unterstützungs- und der beiden Bereitschaftskompanien und hat eine strenge Leistungsnorm zu erfüllen: «Ausrücken ab Standort KKE in Aarau innerhalb von maximal 30 Minuten nach Alarmierung».
Bedenkt man, dass ein Mitglied sich zum Zeitpunkt der Alarmierung beispielsweise am Arbeitsplatz in Muri befindet, wenn die Alarmierung eintrifft, sind 30 Minuten kurz – sehr kurz. Daher bedeutet «Alarm!» für jedes Mitglied des SEZ: Alles sofort stehen, fallen und liegen lassen und umgehend mit dem privaten PW nach Aarau fahren – oder, je nach Lage des Schadenplatzes, auch direkt zum Einsatzort.
Dort angekommen erwartet die Angehörigen des SEZ in aller Regel harte Arbeit – direkt an der Front, als erste KKE-Hilfskräfte vor Ort. Meistens müssen sehr vielseitige Aufträge erfüllt und unterschiedlichste Aufgaben erledigt werden. Darum sind alle SEZMitglieder vertieft und polyvalent ausgebildet und trainiert – in den Bereichen ABC-Schutz, technische Hilfe, Transport, Logistik, Tiefenrettung, technische Ortung und mehr.
Kommandant Fabian Niederberger erklärt: «Der SEZ ist eine eingeschworene Gruppe Freiwilliger. Im normalen KKE-Betrieb sind diese, wie alle anderen, in einer Kompanie eingeteilt. Im SEZ leisten sie einen zusätzlichen Dienst – aus eigenem Antrieb, mit hoher persönlicher Motivation, maximalem Einsatzwillen und in einer Hierarchieumgebung, die flach ist wie ein Aargauer Rüebliacker. Denn innerhalb des SEZ gibt es keine klassische Gradstruktur. Zwar gibt es natürlich einen Einsatzleiter. Alle anderen Einsatzkräfte des SEZ aber sind einander gleichgestellt. Ein Konzept, das sich bewährt hat, weil es den Teamgedanken in den Vordergrund rückt. Und Stärke erwächst bekanntlich aus der Gemeinschaft.»
So wie alle SEZ-Kräfte auf Augenhöhe operieren, sind sie samt und sonders Spezialisten ihres Fachs – mit besonders breit gefächertem Know-how. «Viele Mitglieder des SEZ haben einen Feuerwehr-Hintergrund, einige als Offiziere», verrät der Kommandant. «Entsprechend gross sind ihr individueller Erfahrungsschatz, ihre Einsatzroutine und ihr fachliches Wissen. Alle haben einen prall gefüllten Rucksack – und sind bereit, die berühmte zu gehen. Sie sind da, wenn man sie braucht. Jederzeit, schnell und exakt dort, wo sie gebraucht werden.»
Entsprechend hoch ist das Ansehen, das der SEZ geniesst – innerhalb und ausserhalb des KKE. «Während uns die ordentliche Rekrutierung ähnliche Mühe bereitet wie allen anderen Blauund Gelblichtorganisationen, haben wir beim SEZ eine Warteliste», sagt Fabian Niederberger nicht ohne etwas Stolz in der Stimme. «Dabei spielen Mund-zuMund-Propaganda, erfolgreich absolvierte Einsätze im Verbund mit unseren Partnerorganisationen, aber auch Aktionen wie unser Auftritt beim Atemschutz-Wettkampf Seengen diesen Sommer eine grosse Rolle. Vor Ort und im Einsatz können wir überzeugen, indem wir zeigen, was wir zu leisten imstande sind. Das macht uns attraktiv für Leute, die gleich wie wir.»
«Drei spezielle Einsätze»
Eine widerspenstige Tür, tierische Begegnungen und ein Haufen Bargeld
Wer bei einer Organisation wie dem KKE Aargau seinen Dienst versieht, übt viel, leistet viel und erlebt viel – bisweilen auch Skurriles. Der Kommandant erinnert sich.
Eine stahlharte Gegnerin
Gleich beim ersten grösseren Einsatz nach Gründung des SEZ waren dessen Mitglieder stark gefordert, denn ihr Gegenüber, die Panzertür eines Luftschutzraums, war äusserst widerspenstig. «Um die massive Tür aufzubrechen, mussten wir Betonfräsen, das Plasmaschneidgerät sowie jede Menge Muskelschmalz und Schweiss aufwenden», erinnert sich Fabian Niederberger.
Die SEZler als Panzerknacker
Im Frühjahr 2025 stand der SEZ vor einem ähnlichen Problem – das aber ganz anders gelöst werden musste. «In der Nacht sprengten Kriminelle auf dem Rastplatz Kölliken-Nord einen Bankomaten. Dessen Geldfach widerstand der Explosion, war zwar beschädigt, aber nicht geborsten, sodass die Täterschaft mit leeren Händen von dannen ziehen musste. Wir mussten dann das Geldfach öffnen – und zwar so, dass dessen Inhalt unbeschädigt bleibt. Das war alles andere als trivial – aber auch diese Aufgabe haben wir gemeistert», berichtet der Kommandant.
«Denke das Undenkbare!»
Nach einer heftigen Gasexplosion brannte Ende Februar 2025 ein Einfamilienhaus in Staufen bis auf die Grundmauern nieder. Mitglieder des KKE unterstützten ihre Blaulichtpartner bei der Beurteilung der Statik – und wurden informiert, dass im Gebäude mehrere grössere Schlangen gehalten wurden. «Unerwartete Situationen wie diese können jederzeit eintreten und wir müssen damit umgehen können. Daher gilt bei Trainings und Übungen des KKE: .»
Verbrannte Schlangen wie diese Python (Symbolbild) findet man nach einer Gasexplosion eher selten …© shutterstock.com
