Die Einsatzmittel des KKE Aargau
Bestens gerüstet für den Fall der Fälle
Die Liste der Aufträge des KKE Aargau ist lang. Entsprechend umfassend ist das Spektrum seiner Einsatzmittel und Spezialgeräte. Die wichtigsten stellen wir vor.
Umfassende Lösungen für Mobilität
Das KKE Aargau agiert schnell – in einem weiträumigen Gebiet, mit viel Manpower und Material. Entsprechend breit gefächert präsentiert sich sein Fahrzeugpark. Dieser umfasst rund zwei Dutzend Fahrzeuge – vom elektrischen Deichselstapler bis zum Vierachser-Lkw mit bis zu 40 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Hinzu kommen diverse Anhänger und eine stattliche Zahl von Wechselladebehältern (Welab). Das sind Container, die im Einsatzfall schnell transportiert sowie auf- und abgeladen werden können.
Für den Fachbereich Führungsunterstützung steht ein auf einem Mercedes Sprinter 316 CDI 4x4 basierendes «KP Front»-Fahrzeug zur Verfügung. Dieses ist mit allem ausgerüstet, was für die Leitung eines KKE-Einsatzes an der Front benötigt wird. Hinzu kommen zwei Kommandodienstfahrzeuge (KDF): ein VW Passat 2.0 TDI 4x4 und ein für bis zu acht Personen geeigneter Mercedes-Benz Vito 116 CDI 4x4.
Für Personentransporte stehen dem KKE ein Renault Master dCi165 (bis zu 17 Personen) sowie fünf MercedesBenz Vito mit Allradantrieb (8 bis 9 Personen) zur Verfügung. Einer davon ist mit der Ausrüstung für das Care Team sowie Warteraummaterial bestückt.
Für Materialtransporte (MTF) nutzt das KKE zwei MercedesBenz Sprinter mit 4x2-Antrieb. Während einer über eine Doppelkabine und Pritsche verfügt, ist der andere mit 3-Personen-Kabine und planenbedeckter Pritsche samt Hebebühne ausgerüstet. Für grössere Materialtransporte dient ein Mercedes-Benz Actros 2545 4x2 mit Hebebühne (12 Meter lang, bis zu 40 Tonnen Zuggewicht). Zum Be- und Entladen sowie zum Bewegen schwerer Lasten kann auf einen Manitou MLT 731 T 4x4 mit Gabelzinken oder Greifschaufel zugegriffen werden.
Für die Verschiebung der gesamthaft 16 Anhänger dienen zwei Pick-ups (Ford Ranger 3.2 TDCi 4x4) mit 5-PersonenKabine sowie zwei Mitsubishi Pajero 3.2 DID 4x4. Und zum Transport der Wechselladebehälter stehen vier Vierachser (WLF) auf dem Gelände des KKE. «Diese haben wir alle gebraucht erworben und mit persönlichem Einsatz für unsere Zwecke adaptiert», verrät Kommandant Fabian Niederberger beim Vor-Ort-Termin.
Diese bei einer Übung entstandene Luftaufnahme zeigt, wie umfangreich die Einsatzmittel des KKE sind.© zVg
Zwei Dutzend Wechselladebehälter (Welab)
Das KKE nutzt Wechselladebehälter sowohl für Material als auch als komplett ausgerüstete Arbeitsräume. Im Bild der Einsatzleitungscontainer.© zVgIn zahlreichen auf dem Gelände in Aarau abgestellten Containern (Welab) hält das KKE nicht nur Einsatzmaterial vorrätig, sondern auch komplett eingerichtete Einsatzräume. Insbesondere kann die Einsatzleitung auf den «Welab Einsatzleitung» zurückgreifen. Dieser ist mit modernen Funk- und Informatikmitteln (Polycom, Analogfunk, Videokonferenzsysteme, Internet etc.) ausgerüstet und kann bedarfsgerecht um einen optional nutzbaren Anbau erweitert werden. Erstreckt sich ein punktuelles Grossereignis über einen längeren Zeitraum, kann die Führungsunterstützung auf zwei mobile und klimatisierte Arbeits- und Führungscontainer zugreifen. Hinzu kommen der Welab «Infra» zum Aufbau einer mobilen Infrastruktur und der Welab «Führung» mit Material zur Führung von Grossereignissen. Beide Container beinhalten je ein 11-kVA-Notstromaggregat.
In zwei weiteren Containern («Rettung» und «Bau») steckt technisches Material für Rettungen bei schweren und ausgedehnten Schadenlagen (Kernbohrgerät, Schneidbrenner, Hebezüge, Sicherungsmaterial, Beleuchtungsmaterial usw.) sowie zur Errichtung von Notkonstruktionen (Holz, Kettensägen, Beleuchtungen etc.). Hinzu kommen weitere drei Stromaggregate.
Das KKE verfügt über zahlreiche Fahrzeuge –vom kompakten PW bis zum riesigen Vierachser-Lkw.© zVgDas umfangreiche Material für den Hochwasserschutz füllt vier Container. In jedem lagern mobile Hochwassersperren (BEAVER; gesamt 2’150 m), Beleuchtungen, Notstromaggregate, Tauchpumpen, Gebläse und mehr.
Für die autarke Energieversorgung werden zwei Welab benötigt. In einem steckt ein ein 176-kVA-Aggregat (Cummins C220D5E), im anderen ein 250-kVA-Aggregat (Caterpillar XQE250). Mit letzterem kann im Fall eines Blackout auch das gesamte AMB-Gebäude in Aarau mit Notstrom versorgt werden.
Das ABC-Team und die Seuchenwehr verfügen über drei Container für Material und zwei für die Einrichtung einer mobilen Dekontaminationsstelle für Personen respektive Fahrzeuge. Die Sanität KKE hat Materialcontainer sowie zwei mobile Behandlungsräume in Containerbauweise zur Verfügung.
Anhänger
Auf den 16 Anhängern transportiert werden unter anderem die vier mobilen Sanitätshilfestellen (SanHist) des KKE, Material für Dekontamination und Seuchenabwehr, Infrastrukturzubehör, ToiToi-WCs, Absperrmaterial und mehr. Hinzu kommen zwei mobile 22-kVA-Stromaggregate für die Versorgung von Flutlichtanlagen, ein 50-kVA-Notstromaggregat für die Energieversorgung auf dem Schadenplatz und – ganz neu – zwei Anhänger für eine rekordstarke Saugpumpe (siehe Box).
Von A wie ABC-Schutzanzug bis Z wie Zugstrebe alles dabei
Für Berge- und Rettungseinsätze kann das KKE auf elektrische Kernbohrgeräte für horizontale oder vertikale Bohrungen von 60 bis 700 Millimeter Durchmesser in Mauern, Trümmern oder anderen harten Materialien zurückgreifen. Hinzu kommen Betonkettensägen, Abbauhämmer in diversen Grössen sowie – für Stahlträger, Stahltüren oder Stahlbetonwände – ein Plasmaschneidgerät.
Für die statische Beurteilung und Überwachung von Gebäuden, Trümmern und Infrastrukturen stehen beim KKE einsatzerprobte Fachberater (Bauingenieure, Statiker) im Dienst, ausgerüstet mit hochempfindlichen Mess- und Detektionsgeräten. «Das WASP-System schlägt auf Torsion und Erschütterung an – und wirdmeist im Inneren des Gebäudes angewendet», erklärt Fabian Niederberger. «Mit dem Lasergerät SENTRY können Objekte auf Bewegung detektiert werden. Bereits ab einer Verschiebung von zwei Millimetern schlägt es Alarm.» So können sich die Einsatzkräfte im Fall kritischer Vibrationen, Erschütterungen oder Verschiebungen rechtzeitig evakuieren. Dann beurteilen die Statiker des KKE die Situation – und erst nach Realisierung entsprechender Sicherungsmassnahmen begeben sich die Einsatzkräfte wieder ins Einsatzgebiet. «Das System leistete uns 2022 bei einem Arbeitsunfall in Muri, bei dem ein Hochgerüstlager eingestürzt war, hervorragende Dienste», erinnert sich Fabian Niederberger. «Auch die Kräfte der Feuerwehr vor Ort waren begeistert. Dieser Einsatz hat uns im Nachgang viele Türen in der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen im Kanton geöffnet. Es war wie eine Initialzündung, weil wir mit Leistung aufzeigen konnten, dass es kein Fehler ist, uns beizuziehen, wenn es schwierig wird.»
Ebenfalls selten in der Nordwestschweiz sind die visuellen und akustischen Ortungssysteme des KKE. Diese werden von Spezialisten bedient – und machen das Kratzen einer Hand durch eine bis zu 50 Zentimeter starke Betonschicht wahrnehmbar. Entsprechend gross ist ihr Nutzen bei der Suche nach verschütteten Personen oder Tieren, aber auch bei der Ortung einer Leckage oder der Aufklärung von Hohlräumen, etwa unter Trümmern. Dabei wird nötigenfalls auch eine Kamera genutzt, die bis in eine horizontale Tiefe von vier Metern vorgestossen werden kann. «Sie verfügt neben einer eigenen Beleuchtungseinrichtung über ein Mikrofon am Kamerakopf. So können die Einsatzkräfte eine verschüttete Person nicht nur erkennen, sondern auch mit dieser Kontakt aufnehmen. Um dann an sie heranzukommen, können Trümmer mit benzinbetriebenen Seilzugapparaten und weiterem schwerem Gerät abgetragen und beiseitegeschafft werden», sagt Fabian Niederberger.
Für effiziente und sichere Tiefenrettungen besitzt das KKE diverse Absturzsicherungssets sowie Zwei-, Dreibeine und Winden. «Damit gelingt die vertikale Rettung von Personen aus Tiefen von bis zu 60 Metern», führt der Kommandant aus. Und damit alle auch in tiefen Schächten, Brunnen, Stollen, engen Wegen und Durchgängen sowie bei Dunkelheit im Freien jederzeit den Durchblick haben, hat das KKE allerlei Beleuchtungseinrichtungen beschafft. Ein Highlight sind zwei Flutlichtscheinwerfer, mit denen innerhalb von fünf Minuten nach Ankunft am Schadenort die Fläche von zwei Fussballfeldern ausgeleuchtet werden kann. Hinzu kommen weitere, ähnlich leistungsstarke und sogar dimmbare mobile Beleuchtungsanlagen sowie 400 Meter robuste Leuchtschlangen (Typ Viper).
Mit diesen Lasergeräten kann das KKE bei Trümmer- und Gebäudeüberwachungen feinste Verschiebungen detektieren.© ZvG
«Hintergrund»
Das KKE wird seinen Standort verlagern
Schon geraume Zeit ist klar: Die Tage des KKE Aargau am jetzigen Standort beim Zeughaus in Aarau sind gezählt. Gebäude sowie Infrastruktur sind veraltet, Fahrzeuge und Material können nur unzureichend gelagert werden. «Die Fahrzeuge stehen unter einem rostigen Carport, die Container auf einem Kiesplatz. Das ist weder ideal noch zukunftsfähig», weiss auch Fabian Niederberger.
Bereits 2014 war ein Umzug auf den ehemaligen Werkhof für die A3 in Frick geplant. Nachdem dieser aus verschiedenen Gründen nicht zustande kam, evaluierte das Departement Gesundheit und Soziales gemeinsam mit der Abteilung Immobilien Aargau (IMAG) und weiteren Partnern andere Standorte – basierend auf klaren Vorgaben: Das Areal muss zentral gelegen, gut erreichbar und gross genug sein, um alle Fahrzeuge sowie die Spezialausrüstung und das Einsatzmaterial des KKE zentral unterbringen zu können. Zudem muss der Standort sicher sein, darf insbesondere keinen möglichen Gefahren durch beispielsweise Erdbeben oder radioaktiver Kontamination ausgesetzt sein.
Im Dezember 2024 entschied der Aargauer Regierungsrat, dass das KKE auf eine rund 7’200 m2 grosse unbebaute Parzelle an der Binzenholzstrasse in der Gemeinde Egliswil (Bezirk Lenzburg, östlich von Seon) übersiedeln soll. Für den vorgesehenen Landkauf, Planungen, Drittleistungen und Baunebenkosten wurde ein Projektierungskredit von 1,9 Millionen Franken beschlossen. Als Siegerin der auf simap.ch publizierten Ausschreibung ging am 7. März 2025 die Walker Architekten AG aus Brugg hervor. Diese leistet die Projektierung bis und mit Inbetriebnahme eines Hallenneubaus mit ca. 6’310 m2 Hauptund circa 1’380 m2 Nebennutzfläche inkl. Untergeschoss und Büroteil gemäss Vorgaben aus den Spezifikationen KKE und dem Betriebskonzept. Der Vertrag läuft seit 1. April 2025 bis Ende des Jahres 2028. Nach Abschluss der Projektierungsarbeiten – voraussichtlich 2027 – will der Regierungsrat eine Anhörung zum geplanten KKE-Standort durchführen. Der Baubeginn ist daher frühestens für das erste Quartal 2028 zu erwarten.
Keineswegs ideal: am aktuellen Standort sind die Fahrzeuge mehr schlecht als recht gedeckt – und die meisten Container stehen unter freiem Himmel.© zVg
