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Joël Rodi, Schweizer Rettungsschwimmer des Jahres 2025

Wirkungsvolle Rettungskonzepte für zehn Nordost­schweizer Fliessgewässer

Der 37-jährige Ostschweizer Joël Rodi ist seit 2010 Präsident und seit 2012 Leiter Einsatz der SLRG Sektion Mittelrheintal. Er agiert zudem als Einsatzkoordinator der FLWR Ost und ist seit Jahrzehnten Wasserretter mit Leib und Seele. Nun wurde er für die von ihm für zehn Nordostschweizer Flüsse erarbeiteten Rettungskonzepte von der SLRG zum «Rettungsschwimmer des Jahres 2025» gekürt.

Joël Rodi hat analysiert, geplant und konzipiert – und in den vergangenen Jahren massgebliche Arbeiten zugunsten einer einfacheren und beschleunigten Koordination von Wasserrettungseinsätzen in der Nordostschweiz ­geleistet. Denn der äusserst erfahrene Rettungsschwimmer, der im Alter von elf Jahren das SLRG-Jugendbrevet ­absolvierte und seither etwa 70 Aus- und Weiterbildungen innerhalb der SLRG absolviert hat, weiss: Geraten Menschen im Wasser in Not, zählt jede Sekunde – und einer der kritischsten Faktoren bei der Wasserrettung ist die Koordination der nicht selten von ­unterschiedlichen Rettungsorganisationen beigezogenen Einsatzkräfte.

Mit dem Ziel, diese hochkomplexe ­Koordinationsarbeit zu vereinfachen und zu beschleunigen, begann er vor mehreren Jahren mit der Ausarbeitung innovativer Rettungskonzepte für die Fliessgewässer der Nordostschweiz. «Zwar sind Fliesswasserrettungseinsätze eher seltene Ereignisse. Im Einsatzraum der FLWR Ost sprechen wir von knapp zwei Handvoll Ereignissen pro Jahr», sagt Joël Rodi. «Doch die Erfahrung zeigt, wie eminent gute Einsatzkoordination für den Erfolg ist. Denn in aller Regel sind mehrere Rettungsorganisationen, bisweilen über Kantons- und Landesgrenzen hinweg, in unserem Fall beispielsweise auch aus Österreich und/oder Liechtenstein, involviert. Das macht die Einsatzkoordination, angefangen von der Kommunikation bis hin zur optimalen Platzierung der Rettungskräfte entlang des Fliessgewässers, in dem sich ein Unfall ereignet hat, sehr herausfordernd.»

Joël Rodi hat für zehn Fliessgewässer der Nordostschweiz detaillierte Rettungskonzepte erarbeitet. Im Bild das Rettungskonzept für den LinthkanalJoël Rodi hat für zehn Fliessgewässer der Nordostschweiz detaillierte Rettungskonzepte erarbeitet. Im Bild das Rettungskonzept für den Linthkanal© FLWR Ost; zVg

Rettungskonzepte für die «Chaosphase»

Joël Rodi machte sich schon vor Jahren Gedanken darüber, wie man diese Abläufe optimieren und beschleunigen kann – und erarbeitete in einem ersten Schritt ein Rettungskonzept für den Alpenrhein. Dazu teilte er dessen gesamten Flussverlauf in Abschnitte ein – und definierte dann die optimalen Einsatzpunkte für Rettungskräfte, abgestimmt auf den Flusslauf, dessen Uferbeschaffenheit, vorhandene Brücken, die Geschwindigkeit des Wassers in Abhängigkeit vom Wasserstand und – natürlich – den Ort einer eingehenden Alarmmeldung. «Eine verunfallte Person in einem Fliessgewässer ist immer dynamisch unterwegs. Dieser Aspekt sowie zahlreiche weitere Faktoren, namentlich auch die Kenntnis der für einen bestimmten Flussabschnitt zuständigen Rettungsorganisationen, müssen bei einem Einsatz zwingend bedacht werden», erklärt er.

Seine Rettungskonzepte standardisieren dazu die Einsatztaktik bei Beginn jedes Einsatzes (Chaosphase), mit dem Ziel, die ausrückenden Einsatzkräfte so zu positionieren, dass eine im Fliessgewässer treibende Person möglichst rasch lokalisiert und geborgen werden kann. Dazu wird – ausgehend von jenem Punkt im Flussverlauf, an dem sich die verunfallte Person zum Zeitpunkt der Alarmmeldung befunden hat – definiert, an welchen weiter flussabwärts gelegenen Punkten die Rettungskräfte optimalerweise zum Einsatz kommen.

«Die Einsatzleitung, bestehend aus Vertretern der kooperierenden Partnerorganisationen, trifft sich am Ende des in der Alarmmeldung definierten Flussabschnitts. Am Ende des nächsten Abschnitts wird ein sogenannter <Down-Stream-Safety-Posten> positioniert. Dieser besteht aus mindestens zwei Rettungsschwimmern der SLRG Mittelrheintal, die sofort eingreifen können, wenn die Person im Wasser gesichtet wird», erläutert Joël Rodi. «Zudem werden weitere Einsatzkräfte entlang des Flusses, am Ufer sowie auf Brücken verteilt – und wir müssen stets sicherstellen, dass sich die Einsatzkräfte aller involvierten Rettungsorganisationen möglichst schnell koordinieren können.»

Die HEZ der Rega disponiert im Einsatzfall die Kräfte der FLWR Ost, die dann in Wellen zum Einsatzort gemäss Rettungskonzept ausrücken.Die HEZ der Rega disponiert im Einsatzfall die Kräfte der FLWR Ost, die dann in Wellen zum Einsatzort gemäss Rettungskonzept ausrücken.© FLWR Ost; zVg

Die Konzepterarbeitung ist eine Heidenarbeit

Was sich ebenso einleuchtend wie «einfach» anhört, ist in puncto Planung eine Heidenarbeit. Für die Ausarbeitung eines belastbaren Rettungskonzeptes muss Joël Rodi nämlich stets den gesamten Flussverlauf betrachten, unter Einbezug zahlreicher Faktoren. «Eine Konzentration auf einzelne Abschnitte ist nicht zielführend. Es braucht immer die Gesamtschau», betont er.

So muss bekannt sein, wo sich Brücken befinden, und sichergestellt werden, dass diese von der jeweils ­zuständigen Rettungsorganisation besetzt werden. Allen involvierten Kräften muss das Signalement der verunfallten Person bekannt sein, sie müssen miteinander kommunizieren können, Zugänglichkeit und Befahrbarkeit des Ufers müssen bekannt sein und natürlich müssen Retter und Einsatz­mittel am richtigen Ort zum Einsatz kommen.

All dies hat Joël Rodi bislang in umfassende Rettungskonzepte für zehn Flüsse der Nordostschweiz integriert: den Alpen- und den Hochrhein, den Linthkanal sowie die Flüsse Eulach, Glatt, Limmat, Reuss, Sihl, Thur und Töss. Ergänzend zu Plänen in physischer Form hat er seine Rettungskonzepte auch digital zugänglich gemacht, integriert in Google Maps. «So reden alle dieselbe Sprache – und können feste Abläufe für den Notfall implementieren», erklärt er. Wobei gute Konzepte allein natürlich nicht ausreichen, wie er betont: «Sie müssen vor allem eingeübt, konkret angewendet und nötigenfalls kontinuierlich optimiert werden.»

Konzepte, die Beachtung finden – und öffentlich einsehbar sind

Das wissen auch die Rettungsorganisationen, bei denen Joël Rodis Konzepte grosse Beachtung finden. In Zürich, wo seine Konzepte ins Einsatzleitsystem von Schutz & Rettung Zürich integriert wurden, fand im Mai 2025 eine grosse Übung statt, in deren Rahmen die Funktionsweise der Konzepte an der Limmat erfolgreich überprüft wurde. Und die Einsatzkräfte der FLWR Ostschweiz trainierten 2024 gemeinsam mit der Rega im Rahmen einer Grossübung die Rettung verunfallter Bootsfahrer aus dem Rhein (siehe «NEWS», BLAULICHT Ausgabe 04-2024). Hinzu kommen natürlich die zahlreichen und regelmässig stattfindenden kleineren Trainings, in deren Rahmen die Partner das Zusammenspiel der Kräfte sowie die Güte der bestehenden Rettungskonzepte überprüfen und gegebenenfalls gezielt optimieren.

Alle zehn von Joël Rodi erarbeiteten Rettungskonzepte sind übrigens öffentlich zugänglich. Interessierte finden sie als PDF-Dateien sowie als Übersichtskarte auf Google Maps auf der Website der SLRG Sektion Mittelrheintal www.slrg-mittelrheintal.ch unter dem Menüpunkt «Einsatz», Stichwort «Rettungskonzepte».

Zwei Brüder, zwei Auszeichnungen, eine SLRG-Sektion

Erwähnenswert zum Schluss ist: Bereits vor elf Jahren ­wurde Joël Rodis Bruder Dario zum «Rettungsschwimmer des Jahres 2015» gekürt. Nun, nach der Auszeichnung von Joël Rodi zum «Rettungsschwimmer des Jahres 2025», gibt es also gleich zwei nationale Ehrungen innerhalb derselben Familie und SLRG-Sektion. Das ist mindestens ebenso ­bemerkenswert wie das unermüdliche ehrenamtliche ­Engagement von Joël Rodi für die Wasserrettung.

«Zur Person» Wasserretter, Feuerwehroffizier, Familienvater – ein Tausendsassa

Joël Rodi wurde 1989 geboren, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Der gelernte Konstrukteur erwarb an der ETH Zürich einen Bachelor in Staatswissenschaften und absolviert derzeit die Weiterbildung «Executive MBA General Management» an der FHGR Chur. Von 2010 bis 2018 war er Zeit- respektive Berufsoffizier der Schweizer Armee, danach – bis 2025 – war er in diversen Positionen bei Schutz & Rettung Zürich tätig. Aktuell ist er stellvertretender Abteilungsleiter Bevölkerungsschutz im Amt für Militär und Zivilschutz (AfMZ) des Kantons St.Gallen.

Nebenamtlich engagiert sich Joël Rodi seit 2010 in der Wasserrettung bei der SLRG Sektion Mittelrheintal, deren Präsident er ist, sowie als Einsatzkoordinator
FLWR Ost. Zudem engagiert er sich seit 2014 in der Feuerwehr, seit rund sieben Jahren im Rang eines Feuerwehroffiziers.

Joël Rodi (links) durfte im Dezember 2025 von Alfred Ulmann, Mitglied im Zentralvorstand der SLRG und Regionalpräsident Ost, die Auszeichnung «Rettungsschwimmer des Jahres 2025» entgegennehmen.Joël Rodi (links) durfte im Dezember 2025 von Alfred Ulmann, Mitglied im Zentralvorstand der SLRG und Regionalpräsident Ost, die Auszeichnung «Rettungsschwimmer des Jahres 2025» entgegennehmen.© SLRG Sektion Hochrheintal

 

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