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5. Ersthelfer-Symposium 2025

Ersthelfer-Symposium mit Besucherrekord

Mit 420 angereisten Gästen sprengte das 5. Ersthelfer-Symposium, das am 8. November 2025 erstmals im Luzerner Saal des KKL Luzern stattfand, alle bisherigen Teilnehmerrekorde. Mit der Thematik «Ersthelfer – mit einem Bein schon im Gefängnis» hatten die Organisatoren einen Nerv getroffen. Und der Besuch am Symposium war lohnend.

420 Gäste strömten am 8. November 2025 zum 5. Ersthelfer-Symposium im KKL Luzern – Rekord!420 Gäste strömten am 8. November 2025 zum 5. Ersthelfer-Symposium im KKL Luzern – Rekord!© Jonas Weibel

Menschen, die sich im Bereich Erste Hilfe engagieren, tun dies, um anderen Menschen in Not zu helfen. Vorurteilslos, aus freien Stücken und mit grossem persönlichen Engagement. Der Erfolg im Einsatz verspricht persönliche Befriedigung. Doch nicht selten bleiben, ungeachtet von all dem, auch Zweifel und Fragen. Fragen wie «Was, wenn ich etwas falsch mache – und dafür belangt werde?», «War das, was wir getan haben, eigentlich erlaubt?» oder «Habe ich alles korrekt gemacht – oder ist mir ein Fehler unterlaufen?» treiben nicht wenige Ersthelfer um – und provozieren Un­sicherheiten und Ängste.

Rechtliche Themen sind auch für Ersthelfer wichtig

Im Wissen um diese Problematik wählten die Organisatoren der mittlerweile schon traditionellen Veranstaltung – die Schweizerische Vereinigung für Betriebssanität (SVBS) und das Unternehmen IVF HARTMANN – dieses Jahr ein provokantes Thema: «Ersthelfer – mit einem Bein schon im ­Gefängnis?» lautete das Motto des Symposiums, das erstmals in seiner seit 2021 währenden Geschichte im Luzerner Saal des KKL Luzern abgehalten wurde.

Die Themenwahl erwies sich als ebenso goldrichtig wie der Standortwechsel. 420 Personen, darunter Angehörige von Feuerwehr, Betriebssanität und Samaritern, aber auch ­Sicherheitsbeauftragte, First Responder und weitere ­Personen aus dem Bereich der Ersthilfe sorgten für «Full House». Sie alle erlebten einen lehrreichen Tag, der
3,5 Stunden ans IVR-Zertifikat und zwei SGAS-Fortbildungseinheiten wert war, und profitierten von einem noch ­breiteren Rahmenprogramm. 25 Aussteller präsentierten ihre Produkte und Dienstleistungen – und nicht zuletzt dank vier Sponsoringfirmen (betriebsapotheke.ch [Gold], JDMT Group AG und Procamed AG [Silber] sowie sureVIVE AG [Bronze]) konnte wieder eine Simultanübersetzung Deutsch–Französisch ermöglicht werden.

Weil ein Schadenplatz potenziell ein Tatort sein kann

Den Auftakt des Tages machte Michael Muther, Chef der Sicherheitspolizei Süd der Luzerner Polizei. Er betonte, dass die Polizei dankbar ist, wenn Ersthelfer beim Eintreffen der Polizeikräfte bereits am Ereignisort sind und erste Massnahmen eingeleitet haben. Dabei verwies er auch auf die gesetzliche Pflicht zur Nothilfe: «Wird eine solche unterlassen oder werden Personen daran gehindert, sie zu leisten, handelt es sich um ein Offizialdelikt! Daher ist das Risiko, wegen unterlassener Hilfeleistung belangt zu werden, viel höher als jenes, für Fehler zur Rechenschaft gezogen zu werden», so Muther.

Wichtig sei aber auch eine effiziente Kooperation mit den Blaulichtorganisationen und weiteren Einsatzkräften – zugunsten einer optimalen Ereignisbewältigung. Aus Sicht der Polizei sei dabei insbesondere die Tatsache bedeutend, «dass jeder Schadenplatz potenziell ein Tatort sein kann», so Muther. «Daher ist es für uns wichtig, dass bei der Ersthilfe möglichst keine Spuren verändert oder gar vernichtet werden – wobei selbstredend Eigenschutz und Verletztenversorgung Vorrang haben.»

In der Folge beleuchtete er – mit Humor und Fachexper- tise –, worauf es der Polizei ankommt. Sein Fazit lautete: «Dokumentieren Sie – soweit möglich – unvermeidbare Veränderungen am Schadenplatz, vorzugsweise durch Fotos. Achten und schützen Sie eventuelle Spuren, zer­stören Sie diese nicht – und legen Sie keine neuen. Wobei die
Prioritäten klar gesetzt sind: Sichern – Retten – Spurenschutz.»

Michael Muther von der Luzerner Polizei erläuterte, worauf es am Schadenplatz in puncto Spurensicherung ankommt.Michael Muther von der Luzerner Polizei erläuterte, worauf es am Schadenplatz in puncto Spurensicherung ankommt.© Jonas Weibel

Die Last mit den Medienvertretern

In unserer Zeit der digitalen Medien, «click baiting» und Smartphones in allen Händen – auch von «Leserreportern» – stehen die Medien bei einem Ereignis meist blitzartig auf Platz. Kay Schubert, Medientrainer und Journalist, vermittelte anhand anschaulicher Beispiele, wie Medienschaffende in Einsatzsituationen agieren – und weshalb gegenseitiges Verständnis und Respekt zentral sind. Zudem erläuterte er die Wichtigkeit der Medienfreiheit – aber auch der Gesetze und Schranken, denen Journalisten unterliegen. «Wenn Ersthelfer einer Organisation angehören, sind sie im Einsatz Teil der öffentlichen Tätigkeit – und dürfen grundsätzlich gefilmt werden. Nahaufnahmen, extreme Zooms und alles, was Rückschlüsse auf Privates und Persönliches zulässt, ist aber unzulässig», so Schubert.

Wird man von Journalisten direkt etwas gefragt, solle man nie überstürzt Auskunft geben, rät der Medienprofi: «Man darf ruhig Emotionen zeigen – ehrlich und angemessen. Zudem darf man immer nur sagen, was wahr ist – ohne aber alles sagen zu müssen, was man weiss.» Dabei sei es ­eminent, einfach, kurz und verständlich zu antworten, die zentralen Fakten auf den Punkt zu bringen. Knapp und ­präzise.

Zögern und Ängste bei der Medikamentengabe

Ein weiteres heikles Thema – die Medikamentengabe durch Ersthilfe-Kräfte – beleuchtete Dr. Ruedi Hauri, Kantonsarzt des Kantons Zug und ehemaliger Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte. Er zeigte auf, was «Arzneimittel» und «Medizinprodukte» per Definition sind – und welche Gesetze, Verordnungen und Regeln hinsichtlich ihrer Abgabe und Anwendung gelten. Ein sehr komplexes Thema, bei dem vor allem eines klar wurde: Fundiertes Wissen, klare Richtlinien und fachliche Sicherheit sind ­zentral, um Betroffenen professionell und rechtlich korrekt zu helfen.

Während der Pausen gab es zahlreiche Möglichkeiten zum Networken und zum Austausch unter Fachpersonen.Während der Pausen gab es zahlreiche Möglichkeiten zum Networken und zum Austausch unter Fachpersonen.© Jonas Weibel

Erste Hilfe hinter Gittern

Marcel Ruf, Leiter der Justizvollzugsanstalt Lenzburg, ­gewährte zum Abschluss des Symposiums Einblicke in das Sicherheits- und Krisenmanagement innerhalb einer JVA. Mit Humor, Authentizität und realen Beispielen zeigte er, wie im Hochsicherheitsumfeld medizinische Notfälle, Brände oder Krisen professionell bewältigt werden.

SVBS AWARD 2024 für drei Ersthelfer mit Intuition

Der im Rahmen des Symposiums verliehene SVBS AWARD 2024 ging an Pascale Imboden, Katja Nafz und Rolf Märchy von der Betriebssanität der Kantonsschule Hohe ­Promenade. Sie erkannten dank Intuition und Fachwissen einen medizinischen Notfall, noch ehe klare Symptome sichtbar waren. So verhinderten sie eine Fehldiagnose und ermöglichten die rechtzeitige Behandlung eines Schülers, der am Panayiotopoulos-Syndrom litt – einer seltenen Form epileptischer Anfälle mit untypischen Symptomen wie visuellen Halluzinationen, starrem Blick, Übelkeit oder Erbrechen.

Die Jury des SVBS AWARD, bestehend aus vier Schulungsanbietern und drei ehemaligen Preisträgern, war sich einig: Die drei Ersthelfer, die allesamt an der SanArena Rettungsschule ausgebildet wurden, verkörpern das Wesen der Ersten Hilfe – Wahrnehmen, Ernstnehmen, Handeln – in perfekter Weise.

Verleihung des SVBS AWARD 2024: Pascale Imboden, Rolf Märchy, Katja Nafz und SVBS-Präsident Stefan Kühnis (von links).Verleihung des SVBS AWARD 2024: Pascale Imboden, Rolf Märchy, Katja Nafz und SVBS-Präsident Stefan Kühnis (von links).© Jonas Weibel

Fazit und Ausblick auf das Jahr 2026

Das 5. Ersthelfer-Symposium endete mit einem Besucherrekord – und zufriedenen Gesichtern, sowohl bei den Organisatoren, Sponsoren und Ausstellern als auch bei den teils von weit her angereisten Gästen. Die Wahl des Luzerner Saals des KKL zum neuen Austragungsort erwies sich als perfekt – und so wird am 31. Oktober 2026 auch das 6. Ersthelfer-Symposium wieder in diesem stattfinden. Dann wird unter dem Titel «Unfall – hautnah» ein Unfall von A bis Z begleitet. Von der Ersten Hilfe auf einem Sportplatz über die Luftrettung und die Rehabilitation bis zur datenschutzkonformen Dokumentation des Einsatzes durch die Ersthilfe-Kräfte.

Mehr Informationen zum 6. Ersthelfer-Symposium sowie zu den bisherigen Veranstaltungen finden Interessierte auf: www.ersthelfersymposium.ch

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