Wissenswertes zur Haberl Schweiz AG
Einsatzfahrzeuge für die Schweiz – aus der Schweiz
Am 1. Juli nahm die auf Sonderfahrzeugbau spezialisierte Haberl Schweiz AGden operativen Betrieb auf. Was sind die Ziele, wer die Zielgruppen?
Unser Gesprächspartner: Hans Steinbach, CEO der Haberl Schweiz AG.@ zVgDer Schweizer Markt ist für die im deutschen Arnstorf domizilierte Haberl Electronic GmbH & Co. KG traditionell ein wichtiges Standbein: Das seit mehr als 40 Jahren auf Sonderfahrzeugbau spezialisierte Unternehmen ist ein wichtiger Partner der BMW (Schweiz) AG – und baut alle für Schweizer Blau- und Gelblichtkunden bestimmten BMW-Sonderfahrzeuge.
Nun hat die Haberl Group in Interlaken die Haberl Schweiz AG gegründet. Deren CEO ist Hans Steinbach, langjähriger Key Account Manager Authority und Special Cars bei der BMW (Schweiz) AG. Wir fragten ihn nach Zielen, Zielgruppen, Leistungen, Erwartungen – und nach der Zukunft.
BLAULICHT: Die Haberl Schweiz AG ist seit 1. Juli operativ tätig. Wie verliefen die ersten Wochen –
und wo stehen Sie aktuell?
Hans Steinbach: «Es war – und ist – eine intensive Zeit. Aber wir nähern uns der Normalisierungsphase. Mein
Arbeitsort wird immer vertrauter – und mit zwölf Mitarbeitenden (Stand Ende August 2026) verteilen sich die Lasten und das Schiff gewinnt mehr und mehr an Fahrt.»
Die Geschäfte der Haberl Group in der Schweiz liefen bereits bisher bestens. Weshalb nunein eigenes Unternehmen?
«Die Nachfrage im Schweizer Markt ist ungebrochen hoch – und erlebt mit dem vollelektrischen BMW iX3 aktuell nochmals spürbar Schub. Allerdings ist die Schweiz kein EU-Mitgliedsland, was bürokratische Hürden bedeutet. Aus der Schweiz heraus wird es organisatorisch einfacher. Zugleich gewinnen wir ein Mehr an Kundennähe. Die Kooperation wird enger, die Kommunikation direkter, die Wege werden kürzer. Alles gelingt schneller, effizienter – und noch besser.»
Bisher war Haberl in der Schweiz ein Synonym für BMW-Sonderfahrzeuge. In Deutschland kooperiert Haberl auch mit anderen Herstellern. Wie wird das in der Schweiz sein?
«Haberl Electronic, wie wir ein Teil der Haberl Group, beschäftigt rund 230 Mitarbeitende, hat ein 23’000 m2 grosses Firmengelände, betreibt eine Entwicklungsabteilung, fertigt Komponenten und produziert rund 1’500 Sonderfahrzeuge jährlich – von der Individuallösung bis zu Kleinserien mit mehreren Hundert Stück. Die Kompetenzen sind enorm. Haberl kann und macht weit mehr, als BMW-Sonderfahrzeuge für Schweizer Behörden auf die Räder zu stellen. Nichtsdestotrotz bleibt die enge, seit Jahrzehnten bewährte Kooperation mit der BMW (Schweiz) AG das zentrale Kernelement unseres Engagements. Aber Haberl Schweiz will sich darüber hinaus entwickeln.»
Die Haberl Group baut alle Sonderfahrzeuge von BMW für die Schweiz – und rüstet für Deutschland auch Fahrzeuge anderer Marken um. Das wird jetzt auch in der Schweiz möglich.@ zVg
Mit Umbauten von Autos anderer Fahrzeughersteller?
«In Deutschland kooperiert Haberl mit zahlreichen Herstellern, darunter Audi, Volkswagen, Mercedes-Benz und Ineos, um nur die bekanntesten zu nennen. Entsprechend sind bereits Erfahrungen und Kooperationen vorhanden – von denen nun auch Schweizer Kunden profitieren können. Ob der Markt dieses Angebot annimmt, wird die Zukunft zeigen »
Sie wollen jetzt aber BMW nach so langer Zeit nicht wirklich ernsthaft untreu werden?
«Nein! Darum geht es nicht! Ich betone nochmals: BMW ist und bleibt zentraler Partner für die Haberl Group – hierzulande und in Deutschland. Aber man muss auch sehen: BMW produziert nur Pkw und Motorräder. Blaulichtorganisationen benötigen aber beispielsweise auch Transporter. In diesem Segment ist der Mercedes-Benz Vito aktuell der Renner. Behördliche Nutzer, die auf solche Fahrzeuge angewiesen sind, haben mit der Haberl Schweiz AG nun einen sehr
kompetenten Partner direkt vor Ort. Einen, der selbst entwickelt, produziert und über Jahrzehnte Erfahrung verfügt – eben nicht nur mit den bekannt hochwertigen und zuverlässigen BMW-Sonderfahrzeugen, sondern auch mit anderen Fahrzeugklassen anderer Hersteller. Diesen Teil des Schweizer Markts sehen wir als zusätzliche – und nicht als alternative – Chance.»
Neben Blaulichtkräften – wer gehört noch zu Ihren Zielgruppen?
«Importeure, die einen Partner mit grossem Renommee im Schweizer Markt suchen, der alles aus einer Hand bietet: Unterstützung, Beratung und Betreuung ihrer Behördenkunden, individuelle Projektentwicklung sowie schlüsselfertige Produkte. Hinzu kommen Unternehmen, die Sondereinbauten für ihre Fahrzeuge benötigen. Die Haberl Group betreut beispielsweise auch Taxi-, Transport- und Car-Sharing-Unternehmen, rüstet bei Bedarf zivile Fahrzeuge mit Zusatzeinbauten aus, etwa als VIP-Sicherheitsfahrzeuge. Eine weitere Zielgruppe sind Firmen, etwa Strassen rettungsunternehmen, die nach ISO 27955 crashgeprüfte Heck- und Innenausbauten sowie Beladesysteme benötigen – als Individuallösung oder Standardausbau.
Überdies entwickelt und produziert die Haberl Group elektronische Komponenten wie Zusatzstromversorgungen, Unterspannungsschutz, Funkanlagen, Beleuchtungen, Lösungen für 230-V-Einspeisung, Ladetechnologie sowie Unfalldatenschreiber, Kameras und Fahrzeugtracker, um nur einige zu nennen. Auch dafür gibt es in der Schweiz Adressaten – die wir ansprechen.»
Der aktuelle Standort der Haberl Schweiz AG in Interlaken ist nur eine Zeitlösung. 2027 übersiedelt das Unternehmen nach Thun – in einen Neubau.@ zVg
Was dürfen die bestehenden sowie neue Behördenkunden erwarten?
«Echten Rundum-aus-einer-Hand-Service, die gesamte Bandbreite an Leistungen zu allen Aspekten von Sonderfahrzeugbau und Sonderausstattungen. Wir beraten, erarbeiten gemeinsam mit Kunden passgenaue Lösungen und realisieren diese. Zu-dem bieten wir Service, Unterhalt, Wartung, Garantie- und Reparaturarbeiten an. Und natürlich entwickelt die Haberl Group auch künftig Behördenfahr-zeuge auf Basis der neuesten BMW-Modelle.»
Der BMW iX3 ist lanciert, die ersten Fahrzeuge wurden ausgeliefert. Was kommt nun?
«Aktuell entwickelt Haberl die neue BMW X5-Klasse, die erstmals als vollelektrischer iX5 sowie als Verbrenner, Mild-Hybrid, Plug-in-Hybrid und später auch mit Brennstoffzellenantrieb kommt.»
Apropos neu: Stimmt es, dass die Haberl Schweiz AG, gerade erst in Interlaken gestartet, bereits einen neuen Standort anvisiert? Kaum hier, schon wieder weg?
«Das ist korrekt – und hat gute Gründe. Wir planen in Thun einen Neubau, der alles bietet, was für eine erfolgreiche Zukunft nötig ist. Läuft alles wie geplant, ziehen wir im Jahresverlauf 2027 ein. Sie sehen: Unser Engagement in der Schweiz ist auf eine lange Erfolgsgeschichte ausgerichtet – so wie unsere langjährige Partnerschaft mit der BMW (Schweiz) AG. Diese werden wir weiter pflegen – und um ergänzende Aspekte in zusätzlichen Bereichen erweitern.»