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FAHRBERICHT BMW IX3

Die Zeitenwende der Mobilität?

Der vollelektrische BMW iX3 soll Verbrenner- oder Hybridantriebe obsolet machen – auch im Behördeneinsatz. Wir haben ihn erprobt.

© Jörg Rothweiler

Die Eckdaten lassen aufhorchen: Bis zu 800 Kilometer Reichweite, 469 PS, 210 km/h Topspeed, Allradantrieb. Dazu ein revolutionäres Anzeige- und Bedienkonzept, ein neues ­Betriebssystem, eine zonale Elektronikarchitektur sowie modernste Fahrassistenzsysteme und reichlich Raum für Fahrer, Passagiere und Ausrüstung. All dies verspricht BMW für den iX3 50 xDrive. Da stellt sich die Frage: Ist der von BMW gewählte Begriff «Neue Klasse» tatsächlich weit mehr als ein geschickter Marketing-Slogan? Wir wollten es wissen.

Dem iX3 gehört die Zukunft, die dem X3 verwehrt bleiben wird

Bereits ein erster Blick auf den Testwagen zeigt: Der iX3 markiert eine Zeitenwende bei den E-Autos von BMW. Im Gegensatz zum Vorgängermodell ist er nicht mehr nur eine Variante des BMW X3, sondern ein eigenständiges Modell. Durchschnittliche Ladezeiten, konventionelle Elektronik­architekturen und eine eher halbherzige Hinwendung zur E-Mobilität sind passé. Der iX3 markiert einen Quantensprung – mit markantem Design, 800-V-Technik und dem «Heart of Joy», das die Steuerung von Antrieb, Bremsen, Laden, Rekuperation und weiteren Teilfunktionen in einem aus vier Hochleistungsrechnern komponierten System
bündelt. Dennoch bleibt er jenen Tugenden treu, die gerade auch behördliche Anwender an der seit 2003 erhältlichen X3-Baureihe schätzen: Er paart Platz, Komfort und Dynamik mit Alltags- und Einsatztauglichkeit – zu gerade noch erschwinglichen Preisen.

Elektropower ohne Grenzen

Sein Aussehen mag polarisieren, sein Verhalten in Fahrt ist unstrittig: Der BMW iX3 50 xDrive ist allen bisherigen X3-Modellen überlegen. Mit 469 PS ist er stärker – und sein fahrdynamisches Potenzial ist famos. Im Sport-Modus wedelt er schnell und präzise um Kurven, in der Innenstadt summt er flüsterleise, beim lässigen Patrouillieren über Land- und Nebenstrassen ist er jederzeit souverän. Das passive Fahrwerk ist top abgestimmt und vermittelt, kombiniert mit einer zielgenauen Lenkung, exakt jene Mischung aus sportlicher Straffheit und Komfort, die wir von einem BMW erwarten. Wer es komfortabler will, greift zum Stern –
oder schaukelt in einem Franzosen durch die Lande.

Ebenso überzeugend ist das Durchhaltevermögen des iX3 50 xDrive: Laut WLTP-Standard stromert er mit voll geladenem 108,7-kW-Akku (neu mit Rundzellen) bis zu 805 Kilometer weit. Der Testwagen (mit M-Sportpaket und 20-Zoll-Aerodynamik-Rädern) soll 784 WLTP-km schaffen. Im Test waren knapp 700 Kilometer drin – trotz heftiger ­Hitze, zügigem Fahrstil und vielen Testkilometern «ennet der Nordgrenze», wo deutlich zügiger gefahren werden darf und wo wir auch den versprochenen Topspeed von 210 km/h verifizierten. Selbst nach 30 Kilometern «Vollgas» blieb die ­Akkutemperatur im grünen Bereich. Das ist bemerkenswert bei 37 Grad Lufttemperatur.

Über den gesamten Test hinweg verbrauchte der iX3 17,1 kWh/100 km. Das war nur wenig mehr, als der Bordcom­puter für die von anderen Testern zuvor bereits abgespulten rund 2’600 Kilometer anzeigte (16,8 kWh/100 km). Sehr gute Werte angesichts der Grösse des mit einem cw-Wert von 0,24 allerdings auch sehr windschlüpfigen BMW iX3.

Das Cockpit des iX3 mit Zentraldisplay im «Freecut Design» und «Panoramic Vision» im unteren Frontscheibenbereich. Hinzu kommen das Multifunktionslenkrad und – optional – ein 3D-Head-up Display.Das Cockpit des iX3 mit Zentraldisplay im «Freecut Design» und «Panoramic Vision» im unteren Frontscheibenbereich. Hinzu kommen das Multifunktionslenkrad und – optional – ein 3D-Head-up Display.© Jörg Rothweiler

Viel Platz, Komfort und Anhängelast

Apropos Grösse: Der 4,78 Meter lange, 1,89 Meter breite und 1,63 Meter hohe iX3 bietet vorn wie hinten viel Raum, Kopf- und Ellbogenfreiheit. Im Kofferraum finden 520 Liter, bei umgelegten Sitzlehnen bis zu 1’750 Liter Ausrüstung Platz. Weitere 70 Liter schluckt ein Fach unter dem Kofferraumboden, das – clever gemacht – auch die Hutablage aufnimmt, wenn diese nicht benötigt wird. Der Frunk unter der «Motor­haube» fasst 58 Liter, die maximale Anhängelast beträgt
2 Tonnen.

Weniger Gewicht, aber auch weniger Praktikabilität

Sich selbst könnte der iX3 damit nicht abschleppen. Denn er wiegt – seines riesigen Akkus wegen – nahezu 2,4 Tonnen. Und das, obwohl BMW beim iX3 Gewicht spart, wo irgend möglich. Luftfahrwerk, Gurthöhenverstellung, Griffe am Dach­himmel oder ein Fach für die Sonnenbrille? Fehl­anzeige. Das winzige Handschuhfach ist weder abschliess- noch kühlbar, unterhalb der direkten Blicklinie dominieren teils miserabel entgratetes Leichtplastik und simpler Filzstoff. Der Kofferraum wird von einer einzigen LED-Leuchte nur diffus erhellt, die Hutablage klappert auf sehr schlechten Strassen teils deftig. Sorry, BMW – aber all dies passt weder zum Premiumanspruch noch zum Preis des iX3 50 xDrive. Gepolsterte Türfächer, Veloursstoffe und ein paar clevere Ablagen sind das Minimum des Akzeptablen.

Die Türgriffe sind beleuchtet – und fahren elektrisch ein und aus. Das soll auch nach einem Crash noch funktionieren.Die Türgriffe sind beleuchtet – und fahren elektrisch ein und aus. Das soll auch nach einem Crash noch funktionieren.© Jörg Rothweiler

Grandiose Fahrassistenzsysteme

Das Bild bei den Fahrassistenzsystemen ist gänzlich konträr. Diese arbeiten akkurat und wunderbar dezent. In Situationen, in denen andere Autos piepsen, blinken oder am Lenkrad zerren, herrscht im BMW dank «Symbiotic Drive» vornehme Zurückhaltung – ohne Sicherheit oder EU-Vorschriften zu vernachlässigen. Solange die Auf­merk­sam­keitsüberwachung erkennt, dass der Fahrer sich auf die Strasse konzentriert, weder abgelenkt noch müde ist, «akzeptiert» das System vieles, was andere zum Motzen oder Eingreifen animiert. Nahes Heranfahren an Mittel- oder Seitenlinien? Das Kreuzen nicht durchgezogener Linien? Sportliches Fahren nahe an der Ideallinie? All dies ist möglich, ohne dass das Lenkrad des BMW, das übrigens besser in den Händen liegt, als es seine Form vermuten liesse, auch nur ein einziges Mal zuckt.

Die aktive Spurführung steuert den iX3 in Kombination mit der adaptiven Rekuperation beeindruckend sicher und feinfühlig. Die Übergabe ans System gelingt intuitiv – und der Fahrer kann das System bei Bedarf ohne jedweden Kraftaufwand übersteuern. Klasse gemacht ist zudem der adaptive Tempomat, der nicht schon bei feinen Anpassbrem­sungen brüsk abschaltet, sondern erst, wenn «richtig» gebremst wurde. Fein arbeitet auch der optionale Autobahn-&-City-Assistent (Level-2+). Er erlaubt es (in Deutschland, derzeit aber noch nicht in der Schweiz), die Hände dauerhaft vom Lenkrad zu nehmen und Spurwechsel durch simplen Seiten- oder Schulterblick auszulösen respektive zu be­stätigen. Genau so – und nur so – müssen Fahrassistenzsysteme agieren. Alles andere ist kaum mehr als nerv­tötende Bevormundung.

Am falschen Ort gespart: Das Handschuhfach wirkt billig, ist klein und kann weder abgeschlossen noch gekühlt werden.Am falschen Ort gespart: Das Handschuhfach wirkt billig, ist klein und kann weder abgeschlossen noch gekühlt werden.@ Jörg Rothweiler

Superschnell laden – und das Auto als Energiestation nutzen

Genauso lobenswert: Der BMW iX3 50 xDrive lädt extrem schnell (bis zu 400 kW an entsprechend leistungsfähigen Ladesäulen) und bietet neben «Vehicle-to-Load-» auch «Vehicle-to-Grid»-Funktionalität (derzeit in der Schweiz noch nicht möglich). Über den HV-Akku des Autos können elektrische Geräte wie Leuchten, Pumpen, Kommunikations- und Ladegeräte betrieben werden – und wer zu Hause über die passende Technik verfügt, kann elektrische Energie aus dem HV-Akku ins Netz oder den Batterie­speicher ­speisen. So bunkert man tagsüber Sonnenenergie im Auto-Akku – und nutzt diese in der Nacht im Haus.

Der Durchschnittsverbrauch von lediglich 16,8 kWh auf mehr als 2’800 Testkilometern unter verschiedenen Fahrern ist für ein so grosses Auto wie den iX3 beeindruckend.Der Durchschnittsverbrauch von lediglich 16,8 kWh auf mehr als 2’800 Testkilometern unter verschiedenen Fahrern ist für ein so grosses Auto wie den iX3 beeindruckend.@ Jörg Rothweiler

Nicht teurer als Benziner oder Hybrid, aber …

Wer nun denkt, so viel Moderne und Umweltbewusstsein müssten teurer als alles Bisherige sein, irrt. Den BMW iX3 50 xDrive gibt es ab 78’000 Franken, den heckgetriebenen iX3 40 (320 PS, 628 km nach WLTP) ab 69’600 Franken. Beide Modelle sind ab Werk ordentlich ausgestattet: BMW Panoramic iDrive mit BMW Panoramic Vision, Zentral-Display und Multifunktionslenkrad, Driving Assistant Plus, BMW Intelligent Personal Assistant (Sprachassistent), Smart­phone-Integration, Navisystem, Klimaautomatik mit Wärme­pumpe und Standklimatisierung, elektrisch verstellbare Vordersitze, LED-Scheinwerfer, automatische Heckklappe, die wichtigsten Fahrassistenzsysteme sowie etliches mehr sind im «Schweizer Auto des Jahres 2026» Serie.

Unser Testwagen mit M-Sportpaket, 20-Zoll-Rädern, Metal­liclack, Innovationspaket mit 3D-Head-up-Display, Harman-Kardon-HiFi-Lautsprechern, 3-Zonen-Klimaautomatik, Autobahnassistent, Iconic-Glow-Exterieurpaket (Licht­si­g­natur vorne und hinten), Sonnenschutzverglasung, 22-kW-AC-Lader, Multifunktionssitzen, Lenkradheizung, Glasdach, Anhängerkupplung sowie Parking Assistant Professional
und BMW Digital Premium kostet 98’060 Franken. Viel Geld, keine Frage. Aber nicht teurer als ein vergleichbar aus­gestatteter Verbrenner oder Hybrid: Der «nur» 398 PS starke BMW X3 M50 xDrive kostet ausstattungsbereinigt mehr als 122’000 Franken, der BMW X3 30e xDrive mit 299 PS mindestens 97’300 Franken.

Beide X3-Modelle fahren trotz Verbrennungsmotor ohne Stopp nicht weiter als der iX3. Zwar ist Tanken in kaum 10 Minuten erledigt, während das Aufladen des iX3-Akkus von 10 auf 80 Prozent im Idealfall 21 Minuten dauert. Doch die gesparte Zeit kostet ziemlich viel Geld. Weil eine Tankfüllung bei beiden X3-Modellen nahezu doppelt so teuer ist wie das einmalige Vollladen des iX3 am Schnelllader. Damit Letzteres immer zu den besten Konditionen erfolgen kann, berücksichtigt die myBMW-App für Ladestopps auf ­längeren Routen auch die Kosten – und zeigt an, was die Ladevor­gänge an welcher Ladestation kosten werden.

So schlau sind weder Benziner noch Hybrid. Und beide sind auch im Unterhalt teurer. Nur beim iX3 müssen weder Zündkerzen noch Motor- oder Getriebeöl gewechselt werden, es gibt keine Ventile einzustellen und auch Verschleissteile wie Zahnriemen, Partikelfilter, Abgasrückführung oder Auspuff gibt es nicht. Selbst die Bremsen werden kaum belastet – weil der iX3 mit kraftvoller Rekuperation lieber den Akku nachfüllt, als Bremsbeläge und -scheiben abzurubbeln.

Einzig die Pneukosten könnten beim BMW iX3 50 xDrive ins Geld gehen – weil er ein unbändiges Drehmoment entwickelt und es einfach enormen Spass bereitet, ihn sportlich zu bewegen. Von der oft bemühten «fehlenden Emotionalität» vollelektrischer Fahrzeuge ist dabei nichts zu spüren. Denn bei eingeschaltetem Fahrgeräusch, das im Sportmodus deutlicher vernehmbar ist als in den anderen Fahrmodi, untermalt der BMW iX3 Beschleunigungs- und Rekupe­rationsvorgänge akustisch. So werden diese «emotional spürbar» – was Freude bereiten kann und zudem das ­effektiv gefahrene Tempo realisierbar vermittelt, der Sicherheit zuliebe.

Der Kofferraum ist geräumig und sehr gut zugänglich, aber leider nur mit Filz ausgekleidet. Das bisher verwendete Veloursmaterial ist deutlich hochwertiger und pflegeleichter.Der Kofferraum ist geräumig und sehr gut zugänglich, aber leider nur mit Filz ausgekleidet. Das bisher verwendete Veloursmaterial ist deutlich hochwertiger und pflegeleichter.@ Jörg Rothweiler

Fazit: Die Zeitenwende ist Realität

Am Ende unserer Testfahrten steht fest: Der BMW iX3 50 xDrive ist moderner und zukunftsorientierter, sicherer (siehe Box), umfassender ausgestattet, einfacher zu be­dienen, geräumiger und dennoch nicht teurer als vergleichbar starke BMW-X3-Modelle mit Verbrenner- oder Hybridantrieb. Das macht ihn, auch wenn die Qualität im Detail inakzeptabel ist, zur cleversten Wahl für jene, die ein ­Mittelklasse-SUV von BMW fahren wollen. Unser Fazit in sechs Worten lautet daher: Ziemlich grosse Klasse diese «Neue Klasse».

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