12. Fachtagung PSNV am 9. Mai 2026 im Campus Sursee
Neues zur psychosozialen Notfallversorgung
Der Messerangriff auf einen Angehörigen des Rettungsdienstes Schwyz im November 2025 und die Tragödie von Crans-Montana in der Silvesternacht haben einmal mehr verdeutlicht: Professionelle Hilfe bei belastenden Ereignissen ist enorm wichtig. So erlangt die 12. Fachtagung PSNV am 9. Mai 2026 besonderen Stellenwert.
Wenn etwas Schlimmes passiert, sind sie zur Stelle: die Angehörigen der landesweit tätigen Peer- und Care-Giver-Teams. Sie unterstützen, beraten und begleiten alle Menschen, die durch ein Ereignis betroffen und möglicherweise traumatisiert wurden. Opfer, Angehörige, Augenzeugen und auch die Einsatzkräfte, die am Schadenplatz im Einsatz waren.
Während die hierfür tätigen Fachpersonen – von denen die meisten ehrenamtlich engagiert sind – bei Einsätzen allein oder in kleinen Teams agieren, treffen sie sich einmal im Jahr als «Familie» auf dem Campus Sursee. Denn dort findet jeweils im Frühling mit der Fachtagung PSNV eine der für sie wichtigsten Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen statt.
Organisiert wird diese von der Schweizerischen Vereinigung für Psychosoziale Notfallversorgung (SV PSNV) – und am 9. Mai 2026 lädt diese zum 12. Mal zum Treffen auf dem Campus Sursee. Angesprochen werden dabei alle Kräfte der psychologischen und psychosozialen Notfallversorgung, Rettungseinsatzkräfte sowie Mitglieder von Kriseninterventionsteams. Diese erhalten im Rahmen der Tagung wertvolle Inputs für die Erweiterung ihrer persönlichen Fachkompetenzen, aber auch willkommene Möglichkeiten für Vernetzung und den persönlichen Erfahrungsaustausch.
Im Zentrum des eintägigen Anlasses stehen Fachreferate renommierter und erfahrener Einsatzkräfte mit weitreichender Expertise, wobei stets ein breit gefächerter Themenkreis beleuchtet und diskutiert wird. So auch dieses Jahr, in dem fünf spannende Referate auf dem Programm stehen.
Auf der Fachtagung PSNV in Sursee erfahren Fachpersonen der psychologischen Notfallversorgung, Rettungseinsatzkräfte sowie Mitglieder von Kriseninterventionsteams viel Wissenswertes und Neues.© SV PSNV
12. Fachtagung PSNV mit breit gefächertem Programm
Suzanne Martin und André Meier von «Care Kanton Zürich» widmen sich dem Thema «Care-Arbeit bei Kindern und Jugendlichen». Sie präsentieren Erfahrungen und «Lessons Learned» aus diversen Einsätzen und erläutern, welche Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung von Care Givern heute gestellt werden.
«Wenn Fragen plagen» lautet das Thema des Referats von Andrea Jutzi, Monika Weiss und Barbara Tiefenauer. Die Spezialistinnen des Nachsorgeangebots «Regio 144 care» beleuchten, wie wichtig es ist, dass Betroffene schwerwiegender Ereignisse Antworten aus erster Hand erhalten, um Geschehenes verstehen und einordnen zu können – und wie dies in der Praxis gelingen kann.
Das Thema «Kindsmisshandlungen und Kindesschutz» steht im Zentrum des Fachreferats von Mischa Oesch, Notfallpsychologin und leitende Psychologin der Kinderschutzgruppe am Inselspital Bern. Sie wird aufzeigen, weshalb Peers und Care Giver wissen sollten, welche Misshandlungsformen es gibt, woran man diese erkennt und weshalb im Umgang mit vernachlässigten oder missbrauchten jungen Menschen eine ergebnisoffene Haltung wichtig ist. Zudem wird sie häufige Fehlannahmen rund um sexuell misshandelte Kinder diskutieren und aufzeigen, weshalb diese so oft schweigen.
Nicht nur Opfer und Angehörige, auch Einsatzkräfte sind Betroffene
Zwei der fünf Referate fokussieren auf von Ereignissen betroffene Einsatzkräfte. Dieter Lenzenhuber, Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Traumahilfe-Netzwerks sowie Unterstützer der ARGE Suizidprävention in Bayerisch–Schwaben, Familientherapeut, Traumapädagoge sowie Ausbildner, Einsatzleiter und Verbandsführer in der Notfallrettung, widmet sich dem Thema «Einsatzkräfte nach Gewalterfahrungen – eine Herausforderung unserer Zeit?». Er wird anhand drei konkreter Beispiele (persönliche Gewalterfahrung im Einsatz; Amoktat mit Schusswaffen; Verletzung berufsethischer Prinzipien) unterschiedliche Arten von Gewalterfahrungen darstellen – und die jeweilige Herangehensweise zur Ereignisbearbeitung analysieren.
Dr. Corinna Posingies, promovierte Psychologin und akademische Referentin an der Hochschule Fresenius in Frankfurt a. M., widmet sich den Themen «Selfcare» und «Resilienz». Dabei wird sie nicht nur darlegen, weshalb beides für Einsatzkräfte immer wichtiger wird und weshalb ein mehrdimensionales Verständnis von Resilienz, das Individuen, Teams, Organisationen und Gesellschaft gleichermassen einbezieht, eminent ist. Sie wird vielmehr den Tagungsgästen praxisnahe Impulse, Übungen und Reflexionsanregungen geben, mit deren Hilfe diese ihre eigene Selbstfürsorge, die Team-Resilienz und ihre professionelle Haltung nachhaltig stärken können.
Das Miteinander und die Gemeinsamkeit der Aufgaben verleihen der Tagung jeweils eine ganz besondere Atmosphäre.© SV PSNV
Tagungsort, Zeitplan und Anmeldung
Die Fachtagung PSNV findet auf dem Campus Sursee bei Luzern statt. Dort bestehen auch Übernachtungsmöglichkeiten. Die Anmeldung erfolgt durch Registration. Diese ist möglich über die Website des Veranstalters (siehe unten). Das Tagesprogramm startet um 9 Uhr mit der Tagungseröffnung durch Corina Bandelli, Präsidentin SV PSNV und Fachperson psychologische Nothilfe NNPN bei der Stiftung Krisenintervention Schweiz (siehe Box), und dauert bis circa 17 Uhr.
Weiterführende Informationen zu Programm, Referaten, Kosten und Anmeldung finden Interessierte auf der Website www.sv-psnv.ch.
Der ganztägige Anlass dient neben der Wissensvermittlung auch der Vernetzung und dem Erfahrungsaustausch.© SV PSNV
