Schweizer Polizei Informatik Kongress 2026
Neuer Ort, bewährtes Konzept: Das lief am «MSK»-Halbtag und am SPIK 2026
Am 17. März 2026 fand in Bern der Schweizer Polizei Informatik Kongress SPIK statt – und wie im Vorjahr gab tags zuvor den «MSK»-Halbtag. Der Besucherandrang und die Zahl der Aussteller waren nochmals grösser als im Jahr 2025.
Das Interesse der Schweizer Polizeikorps für Innovationen im Bereich Digitalisierung ist ungebrochen hoch. Entsprechend gross war der Andrang beim SPIK 2026, der erstmals in der neuen Festhalle Bern auf dem Gelände der BernEXPO stattfand. Mit rund 1’350 Gästen (+20 %) und 56 Ausstellern wurden neue Rekorde markiert. Dasselbe gilt für den am Tag vor dem SPIK stattfindenden «MSK»-Halbtag, der sich dem Milliarden-Projekt «Nationales Mobiles Sicherheitskommunikationssystem» (MSK) widmet. Auch an diesem wurde mit rund 400 Besuchern eine neue Bestmarke aufgestellt.
owohl der «MSK»-Halbtag als auch der SPIK 2026 waren sehr gut besucht. Laut Veranstalter Swiss Police ICT kamen rund 20 Prozent mehr Personen als im Vorjahr nach Bern.© Jörg Rothweiler
«MSK»-Halbtag am 16. März
Der Halbtages-Anlass, der zum zweiten Mal nach 2025 stattfand, stand ganz im Zeichen der Ende 2025 publik gewordenen neuen Strategie des VBS, das Projekt MSK beim Kommando Cyber der Schweizer Armee zu platzieren. Seither fragen sich viele, ob das Ziel, das als Ablösung für das Polycom-System angedachte «Nationale Mobile Sicherheitskommunikationssystem» MSK bis 2035 zu realisieren, zu halten sein wird. Simon Müller, Chef Kommando Cyber, bedauerte am «MSK»-Halbtag ausdrücklich, «dass es keine MSK AG geben wird». Zugleich versicherte er aber auch, «dass eine enge Kooperation zwischen dem VBS respektive dem Kommando Cyber und den Schweizer Blaulichtkräften essenziell für den Erfolg von MSK ist».
Am «MSK»-Halbtag erläuterte Raphael Aebersold, Field CTO Mission Critical Communication (MCC) von Swisscom, den «Network-in-Network»-Ansatz von Swisscom für das Projekt MSK.© zVg
Zum aktuellen Stand des Grossprojektes erläuterte er, dass das VBS derzeit auf die Errichtung des als Kernstück des MSK geltenden, rund 60 Millionen Franken teuren «Mobile Core» fokussiere. Dieser soll künftig sowohl der Armee als auch den BORS zur Verfügung stehen. «Zudem arbeiten wir daran, in einem kleineren Kanton ein Proof of Concept zu realisieren, also aufzuzeigen, dass die angedachten Lösungen tatsächlich funktionieren», so Simon Müller.
Parallel hierzu gelte es, konzeptionelle Arbeiten und die nötigen politischen Entscheide voranzutreiben. «Wichtig ist, dass wir nicht ewig diskutieren und Theorien
wälzen, sondern effektiv mit dem Vorprojekt starten», betonte Simon Müller in Bern. Und er verriet, dass die Swisscom dabei eine gewichtige Rolle einnehmen wird. «Swisscom ist ein strategischer Partner für das Projekt <Mitnutzung ziviler Dienste> (MzD) – und damit auch als Partnerorganisation für das Projekt MSK quasi vorgegeben», sagte Müller.
Zudem gab er sich zuversichtlich, dass der enge Zeitplan bis zur geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2035 gehalten werden könne: «Wenn wir jetzt starten und in einem Proof of Concept aufzeigen, dass es funktionieren kann, beschleunigen wir auch die parallel laufenden Prozesse, insbesondere zur Frage der Finanzierung von MSK.» Diesem Gedanken schloss sich auch Markus Röösli von PTI Schweiz an. «Der Bau des Mobile Core kann starten – und von diesem profitiert letztlich auch das Projekt MSK, sowohl hinsichtlich der zeitlichen Umsetzung als auch mit Blick auf wertvolle Synergieeffekte.» Allerdings forderte Röösli auch, es sei eminent, die Kantone zeitnah zu unterstützen. «Diese brauchen jetzt zentrale Daten zum Projekt, um die Budgetierung und eventuell nötige Abstimmungen in Angriff nehmen zu können.»
Markus Röösli, Direktor PTI Schweiz (links), und Simon Müller, Chef Kommando Cyber der Schweizer Armee, präsentierten am «MSK»-Halbtag den aktuellen Stand des MSK-Vorprojektes.© zVg
Swisscom setzt für MSK auf «Network-in-Network»-Strategie
Ebenso spannend wie lehrreich war der Vortrag von Raphael Aebersold, Field CTO Mission Critical Communication (MCC) von Swisscom, zum «Network-in-Network»-Ansatz seines Unternehmens für das Projekt MSK. Dieser Ansatz basiert auf dem von Simon Müller erwähnten «Mobile Core» als Kernsystem aller künftigen MCC-Services und dem Aufbau eines Klons des Swisscom-Mobilfunknetzes als Instanz respektive Slice in den Rechenzentren des VBS. «Mit diesem Ansatz machen wir die gesamte Funktion in den VBS-Rechenzentren nutzbar – unabhängig von Swisscom», betonte Aebersold.
In einem zweiten Schritt werde als Rückfallebene und zur Steigerung der Verfügbarkeit ein Resilience Roaming (auch: «National Roaming») realisiert – durch Anbindung weiterer lokaler Operatoren. Sei dies realisiert, folge laut Aebersold Schritt 3: die Erweiterung des Radio Access Network (RAN) mit dem Funkspektrum der Swisscom durch neu zu errichtende, gehärtete Standorte sowie die Erweiterung des Transportnetzwerks durch krisensichere Backbone-Systeme zur Erschliessung gehärteter RAN-Standorte. In einem vierten Schritt schliesslich müsse das Mobilfunknetz gehärtet werden. Das stelle eine enorme Herausforderung dar, so Aebersold. «Für eine schweizweite Versorgung sind etwa 1’800 bis 2’500 Mobilfunkstandorte zu härten», erklärte er. Eine Herkulesaufgabe.
Können alle vier Schritte erfolgreich realisiert werden, wird die Schweiz ab 2035 über ein MCC-Kernnetz verfügen, das in ausserordentlichen Lagen eine Versorgung der Armee und der Blaulichtkräfte mit den essenziell wichtigsten Diensten sicherstellen kann, schloss Raphael Aebersold.
Welche Fortschritte in den kommenden 12 Monaten erzielt werden können, wird von den Verantwortlichen im Rahmen des dritten «MSK»-Halbtags am 15. März 2027 dargelegt.
Breit gefächertes Themenportfolio am SPIK 2026
Stand der SPIK im Vorjahr noch stark im Zeichen von KI-Systemen in Diensten der Blaulichtkräfte, beeindruckte der SPIK 2026 mit einer deutlich breiteren Themenvielfalt. Das Spektrum der rund zwei Dutzend Vorträge reichte von Drohnentechnologie und -abwehr über Cyberkriminalität und Lösungen für die operative Kommunikation bis hin zu modernem Blaulicht-Routing in Smart Cities sowie der Bewältigung der steigenden Datenflut bei der täglichen Ermittlungsarbeit.
Den Start in den Tag – nach der Begrüssung der Gäste durch Valentin Bonderer, Präsident von SPIK-Veranstalterin Swiss Police ICT – machte Prof. Dr. Roland Siegwart, Professor für autonome mobile Roboter an der ETH Zürich. In seiner Keynote zum Thema «Drohnen – die neue Gefahr aus der Luft» gab er einen Rückblick auf die Entwicklung der Drohnentechnologie, gefolgt von einem Blick auf die Schwierigkeiten, denen Blaulichtkräfte, aber auch die Armee bei der Bekämpfung moderner Drohnen gegenüberstehen. Sein Fazit lautete: «Drohnen sind günstig, leicht herstellbar, schwer zu detektieren und mit den bisherigen Mitteln nur unzureichend zu bekämpfen.» Immerhin aber sei die Schweiz bis heute führend bei der Entwicklung entsprechender Technologien. Es komme dabei darauf an, die Zusammenarbeit der universitären Forschung mit den Anwendern zu intensivieren. Nur so könnten innovative Entwicklungen rasch genug den Sprung aus dem Labor in die Kommerzialisierung und damit in die konkrete Anwendung bei Militär und Blaulichtkräften schaffen.
Einem völlig anderen Thema gewidmet war das Referat «Das forensische Labor in der Hosentasche – wie iPhones die Spurensicherung und Einvernahme revolutionieren» von Adrian Martin, Gründer und CEO der PIC Systems AG. Er demonstrierte, wie die Einsatzkräfte der Zuger Polizei das Dienst-iPhone für die digitale Spurensicherung sowie für Audio- und Videoaufzeichnungen von Einvernahmen nutzen können – und wie einfach Letztere durch die Integration der App «Voscriba» automatisch und medienbruchfrei in das Fallbearbeitungstool «PIC IMS-Police» transkribiert werden können. «Das Pilotprojekt zeigt, wie die polizeiliche Arbeit mithilfe intelligenter Tools, die es ermöglichen, digitale Spuren und Personenbeweise in einem durchgängigen System zu erfassen, zu analysieren und zu dokumentieren, effizienter, präziser und nachvollziehbarer gestaltet werden kann», so Adrian Martin.
Ebenfalls um die digitale Protokollerstellung von Einvernahmen, aber auch von Gerichtsverhandlungen ging es im Referat von Stephan Moser von der Supercomputing Systems AG und Stephan Walder, Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich. Sie demonstrierten anhand von in realen Umgebungen durchgeführten Beispielen, wie es durch Kombination einer Echtzeit-Transkriptionslösung mit umfangreichen Editier-, Annotier- und Kommentarfunktionen
gelingen kann, bereits während eines Gesprächs oder einer Verhandlung ein Protokoll zu erstellen – und dieses im Idealfall auch unmittelbar abzuschliessen.
Der SPIK-Tag wurde von Keynote-Speaker Prof. Dr. Roland Siegwart, Professor für autonome mobile Roboter an der ETH Zürich, mit dem Referat «Drohnen – die neue Gefahr aus der Luft» eröffnet.© Jörg Rothweiler
Fachvorträge des Netzwerks «NEDIK»
Basierend auf den Erfolgen der Vorjahre gab es am SPIK 2026 auch wieder Referate des «Netzwerks für die Ermittlungsunterstützung in der digitalen Kriminalitätsbekämpfung» NEDIK. Die wie immer zugangsbeschränkten Referate (Prädikat «Police only») widmeten sich der aktuellen Cyberkriminalitätslage sowie kooperativen und kollaborativen Ansätzen der Strafverfolgungsbehörden mit Providern, Banken, Plattformbetreibern sowie Behörden und Institutionen bei der Bekämpfung digitaler Kriminalität.
Die sureVIVE AG präsentierte am SPIK die neue Plattform «Swiss Emergency Data Hub», über die BLAULICHT in der SPIK-Ausgabe 2-2026 ausführlich berichtet hat.© Jörg Rothweiler
Ausstellung und Networking am SPIK 2026
Grösser denn je war die Ausstellung der Industriepartner am SPIK 2026. An 56 Hubs, von denen mehr als die Hälfte bereits am «MSK»-Halbtag geöffnet waren, informierten die teilnehmenden Unternehmen die Gäste des Kongresses über ihre Leistungen sowie aktuelle Innovationen. Genutzt wurde diese Möglichkeit wieder reichlich – während der Pausen, zwischen den Vorträgen und selbst während der Mittagspause und den abendlichen Apéros, die nicht zuletzt dem Networking, dem bilateralen Austausch und der Kontaktpflege dienten.
Fazit: grösser, kompakter, vielseitiger
Der SPIK 2026 war grundlegend nicht anders als in den Vorjahren – aber die Gäste profitierten in der neuen Location von kürzeren Wegen und beim Programm von einer breiten Themenvielfalt. Zudem bot der «MSK»-Halbtag wieder wertvolle Erste-Hand-Informationen sowie die Chance, mehr als die Hälfte der Aussteller-Hubs schon am ersten Tag zu besuchen. So gestaltete sich der Besuch des SPIK 2026 etwas entspannter und stressfreier, zugleich aber auch vielseitiger. Das weckt die Lust auf das kommende Jahr. 2027 findet der «MSK»-Halbtag am 15. März und der SPIK am 16. März statt.
Die Zahl der anwesenden Industriepartner war mit 56 Ausstellern nochmals höher als im Vorjahr.© Jörg Rothweiler
